03.-22.11.2011
GR-TR-IR

Jetzt geht es richtig los
Durch Griechenland-Türkei-Iran in die Vereinigten Arabischen Emirate


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Der Weg nach Nordost zur türkischen Grenze (kurz hinter Alexandroupolis) ist heute dank der fast vollständig durchgehenden Autobahn mit ihren vielen Tunneln bequem und zügig zu bewältigen. Dennoch haben wir uns für die ca. 700 km fast vier Tage Zeit gelassen und einen ganzen Tag im schönen Tal am Ufer des Nestos Flusses nahe Xanthi verbracht.

Route_GreeceIn der Hoffnung noch ein paar warme Tage zu erwischen, ging es in der Türkei entlang der Südküste gen Osten. Für die Überfahrt in den asiatischen Teil haben wir die Fähre bei Çanakkale genommen. Die anfänglich gewählten Straßen zweiter Kategorie erwiesen sich als ungeeignet, weil ihr Zustand nicht gut war und wir nicht einmal 300 km am Tag vorankamen, zu wenig für eine Gesamtstrecke in der Türkei von fast 2600 km.

Die Strecke entlang der syrischen und der irakischen Grenze verlief teilweise direkt parallel zum Grenzzaun. Von den (kurze Zeit vor unserer Abfahrt stattgefundenen) Überfällen von Kurden aus dem Irak auf türkische Polizeistationen war äußerlich nichts zu bemerken. Erst auf den letzten beiden Tagesetappen in der Türkei war die Militärpräsenz deutlich sichtbar, und mehrfache (freundliche) Kontrollen waren Anlass für ungewollte Zwischenstopps.

 

 

 


 


Route_GreeceDie Nächte waren inzwischen empfindlich kalt geworden, so dass die Standheizung nachts sehr angenehm war. Die letzte Nacht in der Türkei verbrachten wir direkt neben der Straße vor einem „Lokal“, in dem es einen warmen Ofen und kostenlosen Tee gab. Die Besucher hier kamen in ethnisch einheitlichen Gruppen und zeigten uns gegenüber (sofern es sich um Kurden handelte) sehr offen und deutlich ihre Abneigung gegenüber dem türkischen Staat und seinen Organen. Der wenige hundert Meter weiter liegende Militärstützpunkt garantiere unsere Sicherheit, wie die türkischen Besuchergruppen versicherten. Wir fühlten uns in kurdischer Gesellschaft nicht weniger sicher.

 

 

 

Am 15. November nachmittags überquerten wir in nur 50 Minuten die türkisch/iranische Grenze bei Esendere/Sero. Es war also gut, den großen Grenzübergang bei Bargazan weiter im Norden gemieden zu haben. Soweit mir bekannt, ist der Übergang bei Esendere/Sero die südlichste Grenzstation zwischen beiden Ländern. In der Tat verlief die Abfertigung hier unkompliziert und schnell. Vorher allerdings waren zwei ca 2200 m hohe Pässe zu bewältigen. Während der Fahrt über den zweiten Pass setzte heftiges Schneetreiben ein und die Grenzstation auf 1900 m war eingeschneit und die Parkflächen lagen im Schneematsch.
Von einer für den Iran benötigten „Dieselkarte“ zum Tanken wollte hier niemand etwas wissen, bräuchten wir nicht hieß es. An den Abschluss einer Autoversicherung haben wir im Eifer der Abfertigungsformalitäten nicht gedacht, allerdings dafür auch keinen Hinweis oder Büro gesehen.

 

Schnee nach GrenzeIn den Iran hinein ging es vorsichtig weiter auf einer vierspurigen Straße, die immer mehr unter einer rasch wachsenden Schneedecke verschwand. Einige Autos blieben bereits liegen, an anderen montierten die Fahrer mitten auf den Fahrspuren ihre Schneeketten. Nach 24 km ging gar nicht mehr: Ein großer Lastzug war in die Leitplanke gerutscht, hatte sich quer zur Fahrbahn gestellt, war manövrier unfähig und blockierte die Straße. Es wurde dunkel und wir mussten uns etwas für die Nacht einfallen lassen.

Das schneebedeckte Feld neben der Straße wurde zu unserem Nachtplatz. Während der Nacht war der Lastwagen so weit geborgen worden, dass eine Fahrspur wieder zugänglich wurde und Schneeräumfahrzeuge die Fahrbahn freiräumten. Dafür standen wir in dichtem Nebel und konnten die Straße kaum sehen.

Meine Reisebegleiter waren von den Aktionen der letzten beiden Tage so genervt (hatten wir uns doch erhofft, dem deutschen Winter zu entfliehen), dass sie erwogen, hier umzukehren und ihre Reise abzubrechen. Sie hatten sich (wie ich später erfuhr) dann doch zur Weiterreise entschlossen, konnten mir das aber per SMS nicht mehr mitteilen, weil mein Telefon mit deutscher SIM-Karte sich nicht ins iranische Netz einloggte. Wir haben uns später in Dubai wieder getroffen.

 

 

 

Route_IranIch fuhr am späten Vormittag, nachdem sich der Nebel gelichtet hatte vorsichtig weiter Richtung Orumiyeh (Urmia). Die Stadt liegt auf ca. 1300 m Höhe und meine Hoffnung war, dass sich der Schneespuk bald auflösen würde. In der Tat, die letzten Reste des Schnees verschwanden langsam und die Fahrt nach Süden im Iran konnte stressfrei bei allmählich wieder steigenden Temperaturen fortgesetzt werden. Dennoch hatte ich meine Pläne geändert: Die Besichtigungen im Iran wurden auf die Rücktour im kommenden Frühjahr bei angenehmeren Temperaturen verschoben. Die Fahrt gen Süden sollte jetzt über die Hauptstraßen erfolgen, um zügig nach Bandar Abbas am Persischen Golf zu kommen. Immerhin auch 2460 km.

Vorher musste allerdings noch eine Autoversicherung abgeschlossen werden. Dank der Hilfe eines jungen Iraners haben wir das in einer viereinhalb stündigen Aktion geschafft. Dazu musste nicht nur die Versicherung überzeugt werden, so etwas überhaupt zu machen, es musste auch die knapp $ 30 teure Versicherungsgebühr auf der Bank eingezahlt werden und rechtzeitig vor Schließung des Versicherungsbüros der Einzahlungsbeleg vorgelegt werden, so dass mir die Police ausgehändigt werden konnte.
Anschließen war noch Zeit für die Besorgung einer iranischen SIM-Karte, um kostengünstig SMS nach Hause senden zu können. Die Vorlage des Passes allein war hierzu nicht ausreichend, ein Fingerabdruck musste unbedingt dazu.

Die gesamte Strecke, bis unmittelbar vor Bandar Abbas, verläuft auf einer Hochebene. Anfangs zwischen 1100 m und 1800 m, dann auch mal kurzfristig bis hinauf auf 2800 m. Die Hauptstraßen sind durchweg gut, fast immer vierspurig, selbst dann, wenn es keine Autobahnen sind. Wer will, kann hier schnell vorankommen. Meine Tagesetappen lagen zwischen 300 km und 450 km.

Ganz schlecht sieht es aus mit ruhigen Übernachtungsplätzen. Einfach von der Straße abzufahren ist nur schwer möglich, und wo es möglich wäre, stehen Schilder, die ich nicht lesen konnte und von mir als Verbotsschilder gedeutet wurden. Was bleibt sind anfangs noch „Tank-Raststätten“ und dann später (wo es sie nicht mehr gibt) die scheußlichen großen Parkbuchten, direkt neben der Fahrbahn, nur durch eine weiße Line getrennt. Einige dieser Parkbuchten liegen an Stellen, wo die Straßentrasse deutlich höher verläuft als das umliegende Terrain. Dort bin ich dann runtergefahren, um wenigstens einen minimalen Sicht- und Lärmschutz zu haben. Vorteil: Man steht früh auf und hat einen langen Tag zum Fahren zur Verfügung.

Ein Problem wegen der nicht vorhandenen Dieselkarte hatte ich nicht. Entweder benutzten die Tankwarte eigene Dieselkarten oder es wurden Karten der vor oder nach mir Tankenden benutzt. Ich habe allerdings vorher immer gefragt, ob es möglich sei, ohne Karte Diesel zu bekommen, was nie abgelehnt wurde.
Ohne eine scheckkartenähnliche Dieselkarte funktionieren die Zapfsäulen nicht. Eine Karte muss also irgendwoher kommen. Der offizielle Preis für Diesel mit Karte betrug 1500 Rial (€ 0,10), ohne Karte wurden pro Liter ca. 3450 Rial (€ 0,23) abgerechnet, entweder direkt mit dem Tankwart oder Bezahlung an den „Kartenausleiher“. Der inoffizielle Preis variierte leicht, wurde aber meist zu meinen Gunsten abgerundet.

Es scheint so als werden ständig weitere Straßen gebaut oder vorhandene ausgebaut und begradigt. Meine Irankarte aus dem Reise Know-How Verlag (Ausgabe 2010) hat den Straßenverlauf vielfach nicht richtig angezeigt und ganze Straßen fehlten auch vollständig.

Nach dem jetzigen neuen Straßenverlauf erreicht man Bandar Abbas nicht im Osten der Stadt, sondern kommt direkt an der Einfahrt zum Hafen (außerhalb der Stadt im Westen) ans Ziel. Ich hatte die letzte Übernachtung ca. 100 km vor Bandar Abbas gemacht, war früh aufgestanden und erreichte die Stadt am Dienstag 22. Nov. 2011 kurz vor 8:00 Uhr morgens, also Zeit genug zur Besorgung des Fähr-Tickets für mich und der Frachtpapiere für den Unimog. Siehe dazu auch den Extrabericht.


 
 
 

22.-23.11.2011
Iran

Die Prozedur zur Überfahrt in die Emirate nach Sharjah
Bandar Abbas

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BandarAbbas Am Dienstag, 22. Nov. 2011 kurz vor 8:00 Uhr fuhr ich, (von Norden kommend, Strasse (1), direkt zur Hafeneinfahrt (3). Ich wusste, dass ich dort weder ein Schiffs-Ticket für mich erhalten würde, noch die Fracht für den Unimog bezahlen könnte. Ich wusste aber auch, dass es in Bandar Abbas Agenturen gab, die nur eines von beidem verkauften. Ich wollte mich erkundigen, wo ich beides erledigen könnte.

Mangels Sprachkenntnissen nutzten alle Erklärungen nur wenig, aber ich verstand so viel, dass es nicht weit entfernt in Richtung Stadt an der Hauptstraße (2) so ein Büro geben sollte. Woran das Büro zu erkennen wäre, blieb unklar, woraufhin sich jemand zu mir in den Unimog setzte und mich hinlotste.

Hier die wichtigsten Koordinatenangaben (die Ziffern in Klammern beziehen sich auf die entsprechenden Markierungen in den Bildern):

(12) Fracht- und Passagierticket-Büro
N 27° 09' 57.00", E 56° 13' 47.30" = N 27° 09.950', E 56° 13.788'

Entfernung Büro-Hafeneinfahrt 3,2 Straßen-km

(3) Bandar Abbas Hafeneinfahrt
N 27° 09' 17.00", E 56° 12' 21.10" = N 27° 09.283', E 56° 12.352'

(10) Gate zum Terminal
N 27° 09' 15.60", E 56° 12' 08.70" = N 27° 09.260', E 56° 12.145'

(9) Rampe Schiffsauffahrt
N 27° 09' 12.90", E 56° 12' 14.50" = N 27° 09.215', E 56° 12.242'

 

BandarAbbas Die gesamte Abfertigungsprozedur zu verstehen, ist mangels ausreichender Sprachkenntnisse und Mangels Kenntnis der internationalen Schiffsfrachtabfertigung praktisch unmöglich. Die einem chaotisch erscheinenden Prozeduren werden ein wenig erhellt, wenn man sich klar macht, dass hier ganz unterschiedliche Abfertigungen parallel durchlaufen werden müssen:

· Grenzabfertigung für Person und Fahrzeug, (Ausreise aus dem Iran)
· Ticketkauf für die Reisenden Personen
· Verschiffung und Bezahlung einer Fracht (Auto) ins Ausland (Vereinigte Arabische Emirate)

Das (Eck-)Gebäude (12), zu dem man mich hingelotst hatte, war genau richtig. Es handelt sich um ein großes vierstöckiges, beiges Gebäude, auf der rechten Straßenseite, wenn man vom Hafen Richtung Innenstadt fährt. Der Eingang ist nicht an der Hauptstraße, sondern in der Nebenstraße. Die blaue Beschriftung an der Hauptstraße lautet: South Shipping Lines, IRAN LINE. Von außen sah es so aus, als ob hier eine einzige Firma/Agentur für Personen-Tickets und Fracht zuständig sei. Das war nicht so, zwar kooperierten alle durchaus miteinander, gehörten aber in verschiedenen Büros auf verschiedenen Stockwerken zu unterschiedlichen „Firmen“. Darüber hinaus gab es im Gebäude auch eine Bank, so dass die notwendigen Bankeinzahlungen nicht in der Stadt, sondern gleich hier gemacht werden konnten.

Als Fracht für den Unimog bezahlte ich 10400000 Rial ($ 950) bei der Bank. Ich konnte mir aussuchen, ob ich in Rial oder US Dollar zahlen wollte. Ich zahlte in Dollar, die ich extra dafür ausreichend mitgenommen hatte, weil ich glaubte, dass nur Dollar akzeptiert werden würden.

Mein Schiffsticket gab es auf einem anderen Stockwerk für 830000 Rial (€ 56) und sollte (musste?) direkt im Büro in Rial bezahlt werden, also nicht nochmal zur Bank. Das Schiff sollte am nächsten Tag (Mittwoch) um 21:00 Uhr abfahren.

Ich bat darum, von meinem Pass und dem Iran-Visum sowie von dem Einzahlungsbeleg für die Unimogfracht jeweils zwei Kopien zu machen, da das angeblich im Hafen verlangt werden würde. Einen gesonderten Beleg/Ticket für die Unimogfracht gab es nicht.

Außerdem gab es einen „Customs Letter“, den ich noch am selben Tag im Hafen abgeben/vorzeigen sollte. Um 9:30 Uhr war ich fertig und erstaunt, wie gut das bisher gelaufen war.

BandarAbbasZurück zur Hafeneinfahrt (3) und meinen „Customs Letter“ vorgezeigt. Daraufhin wurde ich in den Bürocontainer (4) geschickt. Man schrieb und stempelte etwas auf die Rückseite des Carnetabschnitts, der später hier im Iran beim Zoll verbleiben sollte. Ein Beamter kam zum Unimog und überprüfte die Chassisnummer und gab mir noch ein weiteres Papier mit.

Die nächste Station war das eigentliche Zoll-Frachtabfertigungsgebäude (5). Ich gab alles an Papieren ab, was ich bisher bekommen hatte und wurde gebeten 15 Minuten Platz zu nehmen. Aus den 15 Minuten wurden etwas über 1 Stunde und 15 Minuten, was mir Gelegenheit gab, mich etwas umzuschauen. Es gab Stehpulte in der Halle, an denen Leute mit Aktentaschen Formulare ausfüllten, die sie später an einem der vielen Schalter abgaben oder wieder abholten. Ich hatte den Eindruck, dass dieses alles Agenten/Zolldeklaranten waren, die im Auftrag ihrer Kunden handelten. Als ich wieder aufgerufen wurde, bekam ich alle meine Papiere zurück und zusätzlich zwei für mich nicht lesbare Dokumente, vielleicht die Frachtpapiere für den Unimog.

Der Beamte begleitete mich vor das Gebäude und lotste mich zu einem Schalter in einem winzigen Raum neben dem Haupteingang. Er übergab alle Papiere dem dortigen Schalterbeamten, der warf einen Blick auf die Papiere und begann eine etwas lautstarke Diskussion mit seinem Kollegen. Hier endete nun um 12:00 Uhr zunächst meine bisher so erfolgreiche Abfertigung. Was jetzt zu erledigen sei, könne erst morgen gemacht werden, wurde mir erklärt, weil das Schiff ja auch erst morgen (Mittwoch) abfahren würde. Ich vermute, dass hier eine Art Übergabebestätigung für den Frachtführer/Reederei abgestempelt werden sollte.

Die Abfertigung war jetzt aber bereits so weit fortgeschritten, dass ich den Unimog nicht mehr aus dem Hafen heraus bekam. Ich solle ihn im Hafen weiter hinten stehen lassen und morgen den Rest der Abfertigung erledigen. Weiter hinten im Hafen befindet sich ein weiteres Gate (10). Dort wollte man mich aber nicht reinlassen, weil die Papiere dafür noch nicht ausgestellt waren. Also habe ich den Unimog vor dem Zoll-Frachtabfertigungsgebäude abgestellt, mir ein Taxi genommen, mich in ein Hotel mit Internetanschluss fahren lassen, einen tiefen Nachmittagschlaf gehalten und am Abend E-Mails usw. vom Internet aus erledigt.

Am nächsten Morgen, Mittwoch 23.11.2011 (die iranische Kalenderanzeige im Hotel zeigte an: 02.09.1390) war ich kurz nach 9:00 Uhr wieder bei meinem Schalterbeamten. In weniger als 5 Minuten machte er einige Eintragungen auf dem Carnet-Abschnitt, der für den Verbleib im Iran bestimmt war, setzte noch ein paar Stempel auf die Rückseite, kam aus seinem Mini-Office hervor und ging in einen Nebenraum wo (wichtig!) 4 Kopien der mit diesen Eintragungen versehenen Carnet-Seiten gemacht wurden und zusätzlich 4 Kopien der Papiere, auf die ich gestern im Zoll-Frachtabfertigungsgebäude eine gute Stunde hatte warten müssen. Die Kopien kosteten 10000 Rial (€ 0,68).

Damit sei die Prozedur „finished“; was auch immer das zu bedeuten hatte. Ich konnte mit diesen Papieren weder das Gate zum Terminal (10) passieren, noch war der für mich wichtige Exit-Stempel im Carnet. Da es früh am Tag war, schaute ich mich erst mal im Passagier- und Ausreise-Gebäude (8) um. Hier war es fast menschenleer, ein großer Wartesaal. Auf meine Frage, ob es hier jemanden gäbe, der Englisch spricht, wurde telefoniert und ich konnte tatsächlich meine Fragen auf Englisch loswerden. Die Fragen wurden offensichtlich auch verstanden, die Antworten gab es aber nicht, weil diese Person davon nichts wusste. Durch einige Gänge und Türen wurde ich in ein Büro des Nebengebäudes (7) gebracht. Dort gab es einen kleineren Wartesaal und an der Seite einige Büros. In der Tat: sie waren die Zuständigen, sprachen aber so gut wie kein Englisch. Immerhin habe ich verstanden, dass sie jetzt erst mal mit der Entladung/Abfertigung des gerade angekommenen Schiffes „Hormuz 14“ beschäftigt seien. Ich solle später noch mal wiederkommen, ich würde aber unbedingt vier Kopien benötigen und noch eine Hafengebühr bezahlen müssen. Von meinen schon vorhandenen vier Kopien hat er zwei sorgfältig zusammengetackert und auf seinem Schreibtisch deponiert.

Nach einem Päuschen im Unimog bin ich um 12:15 Uhr wieder angetrabt. Ergebnis: Jetzt würde die Prozedur der Terminal-Abfertigung (=Frachtabfertigung?) zu erledigen sein. Wir gingen in ein kleines Büro in einem Nebengebäude (6). Dort wollte man meinen Pass und eine Passkopie mit dem iranischen Visum, die ich ja glücklicherweise hatte.. Außerdem wollte man (ich konnte es kaum glauben!) meine deutsche ID-Card = Personalausweis. Daraufhin wurde ein Papier ausgestellt, mit dem ein Helfer verschwand und ganz schnell wieder zurück kam. Den Pass bekam ich zurück, den Personalausweis nicht (den würde ich später zurück erhalten).
Das hier ausgestellte Papier berechtigte zum Passieren des Gates zum Terminal (10). Zunächst noch ohne Unimog aber dafür im Auto des mich begleitenden Beamten. Es ging zu einer Art Bank/Hafenbehörde, wo nach Vorlage der beiden restlichen (von ehemals 4) Kopien die Hafengebühr zu bezahlen war. In Ermangelung einer iranischen Bankkarte hat mein Begleiter mit seiner Karte bezahlt (ein Schelm, der Böses dabei denkt). Die eigentliche Hafengebühr sollen 300000 Rial (€ 20) gewesen sein, es wäre aber nett, wenn ich ihm später für seine Unterstützung 100000 Rial (€ 6,76) geben könnte und für die Kollegen, die wir noch aufsuchen müssten noch mal das Gleiche. Nun gut, wenn das die Sache erleichtert.
Wir sind in drei oder vier weitere Büros in anderen Schuppen gegangen, die für Fremde eigentlich unzugänglich und vor allem unauffindbar sind. Eines davon in einer Lagerhalle mit Streugut, über eine winzige Eisentreppe zu erreichen. Dort wurde der Carnetabschnitt abgetrennt und der Exit-Stempel ins Carnet gestempelt, in einem anderen Büro erhielten wir weitere (Fracht?)Papiere. Jetzt ging es mit seinem Auto wieder raus aus dem Terminal. Er in sein Büro, ich zum Unimog. In 15 Minuten würden wir zusammen erneut (jetzt aber mit dem Unimog) durch das Gate zum Terminal (10) reinfahren und den Unimog nahe am Schiff parken. Von den vielen Papieren, die wir hatten, musste eines bei der Einfahrt vorgezeigt werden. Auf der Fahrt zum Schiffsparkplatz stoppten wir noch einmal kurz, damit er die Trinkgelder verteilen konnte.

Der Unimog war abgestellt und wir verließen das Terminalgelände nicht durch das offizielle Gate, sondern durch eine kleine Eisenpforte zwischen den Gebäuden (7) und (8).
Sehr praktisch, denn dort war ja auch gleich sein Büro und die Pforte wurde nicht verschlossen (dadurch konnte ich nachmittags noch mal zum Unimog, um ein paar Sachen rauszuholen). Wir holten meinen Personalausweis aus Gebäude (6) und gingen um 13:30 Uhr in das „Restaurant“ des Passagier- und Ausreise-Gebäudes (8).

Ich hatte den Eindruck, dass für die „Teminalprozedur“ eigentlich ein Agent/Deklarant zuständig gewesen wäre. Hier hat das der Beamte mit mir zusammen erledigt und sich so auch sein Trinkgeld verdient; der Agent hätte die Sache schließlich auch nicht kostenlos gemacht.

Die Gesamtkosten gliedern sich folgendermaßen auf:

Mein Passagier-Ticket:
Rial 830000 | € 56,00 | $ 77,00
Unimog-Frachtkosten:
Rial 10400000 | € 703,00 | $ 950,00
Hafengebühren:
Rial 300000 | € 20,00 | $ 28,00
Kopien und Trinkgelder:
Rial 300000 | € 20,00 | $ 28,00

Summe: Rial 11830000 | € 799,00 | $ 1083,00

Das Schiff ist schließlich um 22:00 Uhr abgefahren und ich konnte vorher (aber nachdem ich den Ausreisestempel im Pass hatte) den Unimog selbst aufs Schiff fahren.

   
 

24.-30.11.2011
VAE

Die erste Woche in den Vereinigten Arabischen Emiraten
Dubai

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Die Überfahrt war ruhig und unspektakulär. Am nächsten Morgen, kurz nach 10:00 Uhr machte das Schiff im Hafen von Sharjah fest. Hier war die Einreiseprozedur für die Vereinigten Arabischen Emirate zu durchlaufen und (was die meiste Zeit brauchte) die Abfertigung für den Unimog. Wieder verschiedene Büros und Zahlstellen, deren Aufgaben mir nicht ganz ersichtlich waren. Im Unterschied zu Bandar Abbas konnte man sich hier leicht verständlich machen, da praktisch jeder Englisch sprach. Man verstand, welches Büro als Nächstes aufzusuchen war; so machte die Abfertigung daher auch einen geordneten Eindruck. Dennoch hat es 4 Stunden gedauert, bis ich um 14:30 Uhr den Hafen mit dem Unimog verlassen konnte.

Meine Gesamtkosten für die Abfertigung im Hafen von Sharjah gliedern sich folgendermaßen auf:

Delivery Order Charges:
Dirham 300 | € 63,00 | $ 84,00
Stevedoring:
Dirham 125 | € 26,00 | $ 35,00
BOE Charges (M.O):
Dirham 80 | € 17,00 | $ 23,00
Bill of Entry (Shore Handling):
Dirham100 | € 21,00 | $ 28,00
Miscellaneous:
Dirham 20| € 4,00 | $ 5,35

Summe: Dirham 625 | € 130,00 | $ 174,00

Im Hafenbereich gab es die Möglichkeit Euro oder Dollar in Dirham zu tauschen (der Kurs war allerdings rund 13% schlechter als in den offiziellen Wechselstuben), was die oben genannten Euro- und Dollar-Beträge entsprechend erhöht.

An den Abschluss einer Autoversicherung hatte ich im Trubel der Abfertigung nicht gedacht. Soweit mir bekannt, ist das im Hafengelände selbst auch nicht möglich. Glücklicherweise wurde ich danach auch nicht gefragt, so dass ich ohne Versicherung den Hafen verlassen konnte.

Youth HostelIn mein GPS-Gerät hatte ich die Koordinaten eines Youth Hostels in Dubai eingegeben (N 25° 16.600' E 55° 21.823'). Entfernung ca. 15 km. Ich wollte versuchen dort die erste Nacht im Unimog zu parken.

Sharjah und Dubai sind die Hauptstädte der gleichnamigen Emirate. Die beiden Städte gehen direkt ineinander über. Die kurze Fahrt ging durch Hochhaus-Schluchten auf großen mehrspurigen Straßen. Irritiert war ich durch Hinweisschilder wie "No heavy vehicles" oder "Exit for high vehicles" oder "Heavy vehicles only after 10:00 h" oder deutliche LKW-Durchfahrtverbots-Schilder. Egal was auf den Schildern stand, ich bin der Route des GPS-Gerätes gefolgt, hätte ich mein Ziel doch sonst niemals gefunden.

 

 

 

 

 

 

 

Youth HostelOb ich dort aber über Nacht stehen bleiben dürfte, konnte der Rezeptions-Chef nicht alleine entscheiden. Also ins Büro des General Managers. Ich konnte an seinem Gesichtsausdruck ablesen, dass er gar nicht von der Idee begeistert war, mich zu einem Sonderpreis im Unimog übernachten zu lassen. Schließlich einigten wir uns darauf, dass ich den billigsten Zimmerpreis bezahlen würde (100 Dirham/Nacht = € 21,00), was ich sehr viel fand, aber nicht auf dem Hauptparkplatz stehen brauchte, sondern etwas versteckt an der Grundstücksgrenze. Dort war ich zwar aus dem Blickfeld der anderen Besucher, wurde dafür aber direkt beschallt aus den Lautsprechern der angrenzenden Moschee.

Die Abfertigungsprozeduren der vergangenen Tage hatten mich doch so weit ermüdet, dass ich schließlich einwilligte. Eine Alternative hatte ich zunächst sowieso nicht.
Schließlich blieb ich 4 Nächte dort, denn die Lage war sehr zentral, es gab Internet, die Metrostation, libanesisches und indisches Restaurant nur 3 Minuten entfernt und der zunächst etwas reservierte General Manager wurde immer zugänglicher und war sehr hilfsbereit beim Herausfinden einer geeigneten Autoversicherung.

 

 

 

Youth HostelNach dem Dunkelwerden glitzerte und funkelte die Stadt jede Nacht mehr. Überall wurden Dekorationen angebracht aus Anlass des am 2. Dezember bevorstehenden 40-jährigen Jubiläums zur Gründung der Vereinigten Arabischen Emirate.

Die Stadt selbst war für mich sehr "gewöhnungsbedürftig". Gerade das, was viele so begeistert: größer, höher, neu, modern, mehr und noch mehr Shopping Malls hat mich eher nachdenklich gestimmt.
Die wenigen (20%) Einheimischen Emirati gehen fast unter in der Fülle (80%) der im Lande lebenden und arbeitenden Inder, Pakistani, Bangladeshi usw.
Im Laufe der folgenden Tage habe ich sie dann aber doch noch entdeckt: die würdevoll und stolz daher schreitenden emiratischen Männer und Frauen(!) in ihrer künstlichen Luxusumgebung. Und auch die Reste eines alten, noch natürlich gewachsenen Dubais, gibt es noch. So war ich dann doch wieder ein wenig versöhnt.
Damals (2006) in Buenos Aires hatte ich gedacht: ja, wer die Großstadt liebt, kann sich hier sehr wohlfühlen. Hier in Dubai kann ich mir das kaum vorstellen.

 

 

 

VersicherungDie Autoversicherung habe ich abgeschlossen bei:

Al Ain Ahlia Insurance Co, Al Khaleej Road Nr.26, Tel. 04-2725500, durchgehend geöffnet von 8:00 bis 16:00 Uhr.
Das Büro ist im 4. Stockwerk des abgebildeten Gebäudes.

Die Koordinaten sind N 25°16.659' | E 55°18.430'. Neben dem Gebäude 55 m in nord-östlicher Richtung (auf dem Bild weiter nach links) ist ein Restaurant: "Pizza Hut" (N 25°16.669' | E 55°18.457'). Schräg gegenüber (etwas entfernt) liegt das Hyatt Regency Hotel und noch ein wenig weiter ist die Metrostation "Palm Deira" der grünen Linie.

Die Kosten betrugen: Dirham 1000 (€ 210, $ 270) für den Unimog - für ein halbes Jahr. Einige Versicherungen bieten für durchreisende Wohnmobilisten gar keine Verträge an, andere verlangen mehr als das Doppelte. Man muss sich wirklich umhören und vergleichen.