17.05.2007
|
Das vorläufige Ende der Reise naht
|
|
Mehr Fotos in der Photo Gallery |
Auf Grund seines schlechten Rufes (Sicherheitsrisiken) gibt es fast keinen Tourismus in Kolumbien. Die wenigen Reisenden, die in Kolumbien waren und die wir unterwegs gesprochen hatten, berichteten jedoch nur Positives: Die Menschen seien sehr aufgeschlossen, hilfsbereit und würden sich über ausländische Besucher freuen. Seit vier Jahren sei die Sicherheitslage im Land kontinuierlich besser geworden und die zu meidenden Regionen seien bekannt. Auf den Internetseiten unseres Auswärtigen Amtes liest sich das etwas anders: In Kolumbien besteht weiterhin eine ernstzunehmende Gefahr von Entführungen durch die illegalen bewaffneten Gruppen und durch kriminelle Banden, die häufig für Lösegeld oder politische Forderungen auch Ausländer - mitunter jahrelang - als Geiseln festhalten. Kolumbien ist weltweit das Land mit den meisten Entführungen. Das Auswärtige Amt rät daher dringend, in Kolumbien nicht über Land zu reisen. Es wird empfohlen, sich nur in den Orten des Landes aufzuhalten, die mit dem Flugzeug bereist werden können. Bei innerstädtischen Fahrten mit dem Auto gilt darüber hinaus: Fahrzeuge immer von innen verschließen; darauf achten, dass niemand folgt; zügig fahren; keine unnötigen Stopps einlegen.
Mit solchen Gedanken im Hinterkopf ging es zunächst noch mal 3300 m hoch in die Berge bevor ich mich um die Mittagszeit am 17. Mai der kolumbianischen Grenze bei Tulcan/Ipiales näherte. Eine große, sehr moderne Grenzstation, dafür dauerte alles aber auch sehr viel länger als gewohnt: 45 min auf der einen und eine ganze Stunde auf der anderen Seite. Die meiste Zeit ging drauf mit Schlangestehen und Warten auf die kolumbianische Zollabfertigung. Zuvor beim Zoll in Ecuador musste ich eigentlich nur mein Formular für den Unimog abgeben. Ein schöner Parkplatz war direkt vor den Zollschaltern. Ich wollte gerade aussteigen als ein Polizist mir klar machte, dass dies ein Parkplatz für die Grenzbeamten sei (neben mir parkte ein Polizeifahrzeug) und ich solle um das Gebäude herum auf einen öffentlichen Parkplatz fahren. Also Motor wieder gestartet. Da kommt der Zollbeamte heraus und erklärt mir, dass ich hier natürlich stehen bleiben könne, denn ich wollte ja zu ihm, um mein Zollpapier abzugeben, was er mir auch schnell aus der Hand nahm und mich in die Warteschlange am Emigrations-Schalter schickte. Von dort aus konnte ich schmunzelnd eine fast halbstündige intensive Auseinandersetzung der beiden Beamten beobachten: man merkte, dass es hier um die Klärung hoheitlicher Grundsatzfragen ging. Auf kolumbianischer Seite suchte ich vergeblich nach einer Bank zum Geldwechseln, dafür gab es einige Leute, die sich als Geldwechsler anboten. Der Kurs schien mir aber nicht reell zu sein, also fuhr ich so weiter, was sich später als keine gute Entscheidung entpuppte. Für die vor mir liegende Strecke musste ich mir allerdings etwas einfallen lassen, es sollte viele solcher Mautstellen geben. In Pasto der nächsten Großstadt wollte ich mir Geld aus einem Automaten holen. Von der Grenze nach Pasto waren es nur 84 km, aber durch das steile Auf und Ab in den Bergen dauerte es mehr als 2,5 Stunden bis ich ankam, es war fünf Uhr Nachmittags und in zwei Stunden würde es dunkel sein. Ich wusste, dass nicht aus allen Bankautomaten in Kolumbien mit der EC-Karte Geld zu holen war. Ich wusste aber weder, welches die richtigen waren, noch wo ich überhaupt Bankautomaten finden würde. Die Stadt war deutlich größer als ich gedacht hatte und alleine im Unimog auf Verkehr, Richtung und Banken zu achten war nicht ganz einfach. Irgendwann hatte ich dann aber doch den Schriftzug einer Bank entdeckt, nur parken konnte man dort nicht; glücklicherweise war eine große Tankstelle in der Nähe, wo ich das Auto abstellen konnte. Die Bank war gut gesichert: gleich fünf Polizisten mit Gewehren hielten Wache. Zwar war die Bank geschlossen, aber der Zugang zu einem Automaten hinter Gittern war nicht versperrt - brauchte er auch nicht, denn der Automat war außer Funktion. Meine Suche zu Fuß nach Alternativen in der Gegend war nicht sehr erfolgreich: Ein weiterer Automat, aber Geld wollte er keines ausspucken. Aus Pasto raus ging es ein kurzes Stück noch mal höher in die Berge und dann über 85 km sehr steil abwärts, das dauerte schon mal drei Stunden, spornte mich aber an, heute dennoch möglichst viele Kilometer zu schaffen, ich musste ja rechtzeitig in Cartagena sein. Die Millionenstadt Cali konnte ich zum Glück östlich umfahren. Nach fast genau 12 Stunden Fahrt (doch noch 453 km geschafft), fand ich 56 km nördlich von Cali eine Tankstelle mit seriöser Übernachtungsmöglichkeit. Man übernachtet hier an den Raststätten nicht im Auto (was ich aber dennoch machte), sondern in einem dazugehörigen Motel, und bei zwei Versuchen vorher waren nur stundenweise Motelaufenthalte vorgesehen. Innerlich hatte ich eigentlich meine Reise nach Sarahs Abflug in Ecuador abgeschlossen und dies war jetzt die Fahrt zum Schiff, das mich nach Europa bringen sollte. Ich spürte auch eine innere Unruhe, weil ich nicht einschätzen konnte wie schnell ich in Kolumbien vorankommen würde. Ich rechnete mit 1800 km Strecke, wusste aber nicht wie das Vorankommen in den Bergen und die Straßenverhältnisse sein würden. Unterwegs gab es viele Polizeiposten und zusätzlich an strategisch wichtigen Stellen (Brücken, Tunneln, Talabschnitten) deutlich ihre Waffen zur Schau stellende Militärs. Unsere Aufschrift am Unimog "ALEMANES DE PASEO POR SUDAMERICA" war hier sichtlich hilfreich. Ich konnte sehen wie die Schrift gelesen wurde und man mir wohlwollend ein Zeichen zum Weiterfahren machte. In ganz Kolumbien bin ich nur vier mal angehalten worden (davon einmal aus reiner Neugier, wie so ein Auto wohl von innen aussieht). Schwer zu vermitteln war jedes Mal die Tatsache, dass ich ganz alleine unterwegs war, dies erregte eher Misstrauen. Nach den vielen Kilometern am Vortag konnte ich entspannen, es ging also doch voran. Also Zeit für ein paar Tage Pause in einer schönen Anlage 28 km südlich von Santa Barbara: Swimmingpool, Restaurant, Wachdienst und ein Internetcafe im Ort (Farallones de La Pintada). Hier erhielt ich eine Email von Reisenden, die einige Wochen vor mir von Cartagena aus verschifft hatten und mir dankenswerterweise die ganze abzuwickelnde Prozedur ausführlich beschrieben hatten (hier der Link auf unsere pdf-Datei mit der Beschreibung). Fazit für mich: Ich müsste ca. eine Woche vor der Abfahrt des Schiffes in Cartagena sein, um alles in Ruhe erledigen zu können. Also machte ich mich schon nach zwei Tagen auf zur Weiterfahrt. Nach weiteren eineinhalb Tagen war ich endgültig aus den Bergen raus (endlich!) und fuhr durch eine liebliche, hügelige, grüne Landschaft Richtung Cartagena. Das Klima in Cartagena ist gewöhnungsbedürftig. Das ganze Jahr über heiß mit Tagestemperaturen zwischen 32°C und 38°C (nachts 24°C - 28°C). Die Temperaturen machen einem weniger zu schaffen als die hohe Luftfeuchtigkeit von über 90%. Es gibt zwar keine ausgesprochene Regenzeit, aber in den Monaten April bis November fallen die meisten Niederschläge. Die Regenschauer sind heftig und können eine Stunde, aber auch mal 6 Stunden anhalten. Abkühlung bringen sie nicht.
Mein oberflächlicher Eindruck von Kolumbien: ursprünglich, vielfältig und schön. |