01.04.2007
Peru

In drei Wochen durch Peru
Vom Titicacasee über Cusco an die Küste bis nach Norden

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mapVon unserem letzten Übernachtungsort auf bolivianischer Seite (dem kleinen Ort Copacabana) bis zur Grenze waren es nur acht Kilometer, auch die Grenzabfertigung verlief nahezu routinemäßig:

Ausreisestempel bei der bolivianischen Polizei holen, das Zollpapier fürs Auto beim bolivianischen Zoll abgeben und dann auf peruanischer Seite bei der Polizei das Formular mit den persönlichen Daten ausfüllen und die Einreisestempel in die Pässe drücken lassen.
Anschließend beim peruanischen Zoll ein neues Zollpapier "für den vorübergehenden Import" des Unimogs ausstellen lassen. Das dauert immer etwas länger, da viele Daten aus der Kopie der internationalen Zulassung übertragen werden. Dabei müssen wir immer aufpassen, dass Motornummer und Fahrgestellnummer nicht verwechselt werden und auch die Passnummer richtig abgeschrieben wird. Dann setzt irgendwann eine Pause ein und der Beamte sucht nach der Angabe für das Baujahr des Fahrzeugs. Diese fehlt in unseren (deutschen) Ausfertigungen der internationalen Zulassung. Auf Zuruf von Sarah trägt er dann kommentarlos "1988" ein. Außerdem fehlt eine Dokumentennummer auf der internationalen Zulassung (der Internationale Führerschein hat so was). Ich zeige dann auf die Postleitzahl der ausstellenden Behörde, was meistens akzeptiert wird. Das war's dann - normalerweise.

Hier gab es aber noch eine dritte Stelle, die wir aufsuchen mussten. Eine Art Transport-Polizei, die einige Daten unserer Papiere in ein Buch übertrug. Das Ganze war wohl eher eine Schauveranstaltung und der eigentliche Zweck der Übung zeigte sich in der Schlussfrage, ob wir nicht einen "Beitrag zur Zusammenarbeit" leisten wollten, oder - auf gut Deutsch: "rückt mal etwas Kohle raus"! Noch so früh am Morgen, wollten wir keine langwierigen Diskussionen und legten einen 10 Bolivianos-Schein aus dem Nachbarland (ca. 1 Euro) auf den Tisch, der dankbar angenommen wurde.

War der Übergang von Chile nach Bolivien noch recht kontrastreich (was das Erscheinungsbild der Menschen betraf), so ähneln sich hier die indigenen Bevölkerungsgruppen doch stark. Etwas Ungewohntes gab es dann aber doch: die vielen kleinen Mototaxis (wie eine von einem Moped angetriebene Rikscha), die in großer Anzahl in vielen Orten Perus anzutreffen sind.

Die Strecke nach Cusco lief entlang des Titicaca-Sees auf einer Hochebene meist zwischen 3800 m und 3900 m mit einer größten Höhe von 4360 m. Wir machten hier keinen Halt; weder die kleinen Orte noch den See selbst empfanden wir als besonders spektakulär.

Cusco hingegen ist eine schöne Stadt, man kann sagen, was Sucre in Bolivien ist, ist Cusco in Peru. Cusco ist auch - und vor allem - der Ausgangspunkt für einen Besuch der Inka-Stätten. Machu Picchu ist dabei natürlich die von den meisten Touristen bevorzugte Stätte. Obwohl das Wetter nicht gut war - es war kalt (wir sind immer noch fast 3600 m hoch) und hat viel geregnet - blieben wir eine ganze Woche in Cusco.

Die touristische Vermarktung von Machu Picchu ist eine Meisterleistung des Marketing: ein Produkt wird zu völlig überhöhten Preisen angeboten und ist dennoch stark nachgefragt.
Durch die versteckte und unzugängliche Lage ist Machu Picchu seinerzeit der Zerstörung durch die spanischen Eroberer entgangen; und diese Unzugänglichkeit wird heute genutzt (und machtvoll verteidigt), um das hohe Preisniveau aufrecht zu erhalten. Eine direkt nach Aguas Calintes (Bahnstation, Übernachtungsort am Fuß des nach Machu Picchu führenden Weges) gehende Straße gibt es nicht.

Eine neue Straße die in einem nördlichen Bogen in die Nähe von Machu Picchu führt (Santa Teresa), ist noch im Bau und nur zu bestimmten Tageszeiten an den Bauengpässen passierbar. Das Geld für einen dann zusätzlich erforderlichen sicheren Parkplatz schraubt den Gesamtpreis dann wieder auf fast gleiche Höhe wie bei der Bahnfahrt.
Auf dem berühmten Inka-Trail konnten gut ausgerüstete Wanderer früher in mehreren Tagen nach Machu Picchu wandern. Das ist heute nicht mehr in Eigeninitiative erlaubt. Dafür kann heute für US$ 200-300 bei speziell lizenzierten Agenturen der Inka-Trail gebucht werden.
Machu Picchu kann theoretisch mit dem Zug von Cusco aus erreicht werden. "Normale" Züge können und dürfen nicht benutzt werden, sondern nur speziell für Touristen eingesetzte. Das Platzkontingent ist so beschränkt, dass wir die Alternative nutzen mussten, zunächst die Hälfte der Strecke mit einem Taxi zu fahren und dann weiter von Ollantaytambo mit dem von dort eingesetzten Zug.

MachuPicchu

So erreichten wir Aguas Calintes am Vormittag gegen 10:30 Uhr zusammen mit den vielen anderen Touristen. Wir suchten uns ein Hotel für eine Nacht und fuhren am nächsten Morgen mit dem ersten Zubringerbus um 5:30 Uhr nach Machu Picchu hinauf.

Wir haben es nicht bereut! So früh am Morgen waren wir noch mit ganz wenigen Touristen dort. Es begann gerade hell zu werden und die letzten Wolkenfetzen schoben sich durch die Ruinen der alten Inkastätte - eine mystische Stimmung. Schaut Euch die Bilder dazu an.

Von Cusco aus ging es auf der Hauptverbindungsstraße aus den Bergen hinunter Richtung Küste. Die Abfahrten in den Bergen hier in Südamerika haben es in sich: auf einem Steckenabschnitt von 46 km ging es 1877 m hinunter und dann zu unserem Tagesziel Abancay. Von dort dann am nächsten Tag noch einmal zunächst über 4500 m hoch und danach 3600 m bergab auf einer Strecke von 98 km Richtung Nazca. Die Absoluten Gefälle sind dabei nicht das Problem aber die lange Zeit in der ständig bergab (ohne Motorbremse!) gefahren werden muss. Für das 98 km Stück brauchten wir über drei Stunden.

Nazca liegt auf 550 m Höhe, gerade genug um nicht mehr im Nebel zu versinken, der die Ebene Richtung Küste häufig überzieht.
Interesse wecken hier die so genannten Nazca-Linien, geometrische Linien und riesige in den Wüstenboden geritzte Figuren, über deren Herkunft und Sinn bis heute gerätselt wird. Einige Figuren sind so groß, dass sie vom Boden aus als solche nicht wahrgenommen werden können. Am besten erkennbar sind sie vom Flugzeug aus. Wir haben so einen Flug über die Nazca-Linien gemacht - einige der Figuren sind in der Foto-Galerie zu sehen.

Maria Reiche, eine Deutsche, die über 40 Jahre ihres Lebens diese Linien erforschte, hält Teile davon für einen astronomischen Kalender aus der Zeit vor den Inkas.
Andere Theorien halten die gesamte Ebene mit den Figuren für eine Art Landkarte des untergegangenen Tiahuanaco-Reiches.
Wieder andere Theorien stellen Zusammenhänge her zwischen alten Praktiken der Schamanen und der für sie symbolischen Bedeutung dieser Figuren.

Von Nazca ging es weiter nach Ica, genauer gesagt nach dem 5 km außerhalb Icas liegenden Huacachina, wo ein keiner palmenumwachsener See eine kleine Oase inmitten hoher Sünddünen entstehen ließ. Hier haben wir für drei Tage die Wärme wieder genossen.

Nach Lima (nur zwei Tage Aufenthalt, Großstädte ziehen mich nicht an!) wollten wir uns für einige Zeit an der Pazifik-Küste aufhalten. Da wir beide vom Serpentinen-Fahren, von der Kälte in den Bergen und dem Regen genug hatten, entschlossen wir uns, im nördlichen Peru nicht noch einmal in die Berge zu fahren.

Die riesigen Küstenabschnitte nördlich Limas werden fast alle nicht touristisch genutzt. Erreichbar und zugänglich waren sie bis auf wenige Ausnahmen nicht. Das Land von der Straße bis zum Wasser ist meist in Privatbesitz (große ausländische Konzerne?) und wird in unmittelbarer Strandnähe mit riesigen "Hühnerfarmen unter Dach" gepflastert. Zwischendurch gibt es dann einige Fischmehlfabriken, die das Hühnerfutter herstellen, und die Umbebung mit ihrem Gestank verpesten.

Ganz weit im Norden Perus, bei Cancas, fanden wir dann aber doch an zwei Stellen schöne Möglichkeiten, ein paar Strandtage einzulegen.

Das Reisen in Peru war lange nicht so entspannend wie in Argentinien oder Chile und auch anstrengender als in Bolivien. Hauptgrund dafür waren die Erlebnisse, Geschichten und Warnungen anderer Reisender was Sicherheit und Überfälle betrifft. Wir selbst haben uns nie unsicher oder bedroht gefühlt, haben aber aus diesen Gründen auch nie irgendwo frei in der Landschaft übernachtet.

In Peru gibt es sicher mehr touristische Highlights als in Bolivien, deshalb finden wir aber Peru nicht schöner als Bolivien. Was einerseits mehr Abwechslung bietet, lenkt anderseits mehr Touristen zu denselben Orten. Siehe Machu Picchu.

So langsam legt sich auch das Gefühl, schnell vorankommen zu müssen, um im Zeitplan zu bleiben (den es ja nun doch gibt: Sarah fliegt am 15. Mai von Quito/Ecuador aus zurück nach Deutschland und Hilmar soll am 4. Juni mit dem Schiff von Cartagenas/Kolumbien aus über Costa Rica nach Antwerpen zurückkommen). Mittlerweile ist absehbar, dass wir mit 3 Wochen, die uns nun noch für Ecuador bleiben, ausreichend Zeit haben und uns nicht hetzen müssen.

   
   

21.04.2007
Ecuador

Neun mal über den Äquator
Von der peruanischen Grenze an der Küste bis an die kolumbianische Grenze bei Tulcan im Norden

 

Je weiter wir hier in Südamerika nach Norden kamen, desto seltener trafen wir Touristen - noch seltener Touristen mit Auto. Daher haben wir die Tipps der Wenigen dankbar angenommen. Fast alle haben uns empfohlen zur Einreise nach Ecuador einen im Landesinneren liegenden Grenzübergang zu wählen. Dort ginge es schneller und unkomplizierter. Wir waren aber an der Küste und wollten ohne Umweg auch hier über die Grenze.

Erfahrungen mit verpassten Grenzabfertigungsstellen hatten wir in Argentinien/Chile ja schon gesammelt, also haben wir diesmal besonders gut aufgepasst. Zwei Kilometer vor der Grenze war (doch ganz gut erkennbar) das Emigration Office, wo wir die Ausreisetempel aus Peru bekamen (Dauer nach GPS-Trackangaben: 6 min). Die eigentliche Grenze selbst sollte an der "International Bridge Aguas Verde" sein. Zunächst haben wir weder eine Brücke noch eine Grenze erkennen können, sondern sind von einem riesigen Marktgetümmel gestoppt worden, durch das wir uns im Schritt-Tempo versuchten vorwärts zu bewegen. Auf die Frage wo denn die Grenze sei, hieß es: "hier". Und wo könne man parken? "hier". Also haben wir das Auto stehengelassen und uns nach dem peruanischen Zollbüro umgeschaut, was tatsächlich hinter einigen Marktständen auf der linken Straßenseite zu entdecken war. (Dauer der Abfertigung nach GPS-Trackangaben: 9 min).
Beim Rausgehen erkannten wir im Getümmel dann auch schräg gegenüber das Zollbüro von Ecuador. Die Beamten bestanden darauf, dass wir noch 20 m vor fuhren, und direkt vor ihrem Büro parkten. Damit blockierten wir zwar einige Marktstände, was aber niemanden zu stören schien. Ganz im Gegenteil: der Standbesitzer kam mir strahlend entgegen und wollte mir eine Schlange verkaufen. Jetzt sah ich auch den Beginn der Brücke, vor lauter Marktständen und Menschen kaum erkennbar.
Hier dauerte die Abfertigung etwas länger (21 min), da zunächst ein wenig Smalltalk mit Sarah geführt wurde, Kopien unserer Papiere angefertigt wurden und wir zweimal mit etwas verklausulierten Worten nach unserem CARNET DE PASSAGES EN DOUANE gefragt wurden (genau das wollten wir aber nicht benutzen). Als wir absolut nicht verstehen wollten worum es sich da wohl handeln sollte, zeigte man uns einen Ordner mit den säuberlich abgehefteten Carnet-Abschnitten anderer Reisender. Auf unsere Bemerkung, dass es da doch inzwischen auch andere Formulare gäbe, wurde auch so ein anderes Formular herausgeholt und die Eintragung der Daten vorgenommen. - Mir wurde dabei klar, dass für die Zöllner das Abstempeln eines Carnet-Formulars viel bequemer ist als das Ausfüllen der nationalen Zoll-Formulare für ein Auto. Daher berichten Touristen auch immer wieder mal, dass sie ein Carnet brauchen würden.

Uns wurde versichert, dass es in Ecuador (natürlich im Unterschied zu den Nachbarländern) alles ganz sicher sei, und man wünsche uns eine schöne Zeit.
Jetzt ging es weiter durch den Markt, bis dann die Straße wieder frei wurde und nach 4,5 km das Immigrations-Büro sichtbar wurde. Mit etwas Anstehen hatten wir unsere Einreisestempel nach 11 min. - Soviel zum nicht empfehlenswerten Grenzübergang.

map

Fast schlagartig änderte sich wenige Kilometer hinter der Grenze die Landschaft. Die flachen Wüstengegenden der peruanischen Küstenebene wurden abgelöst von einer satt-grünen Berglandschaft mit üppiger Vegetation.
Unser Ziel war Vilcabamba im Süden des Landesinneren. Obwohl die Straße nicht über 2600 m Höhe anstieg, waren wir teilweise von dichten Nebelschwaden umgeben, erreichten aber Vilcabamba noch bei Tageslicht gegen 18:00 Uhr. Wir blieben dort mehrere Tage in einer sehr schönen Anlage oberhalb des Ortes mit einem herrlichen Blick ins Tal. Wir genossen das gute Essen, die vielen Cocktails und Fruchtsäfte und natürlich die Gesellschaft anderer Reisender und der netten deutschen Besitzer des Hostals.

Im Gegensatz zu Peru ist die Polizeipräsenz in Ecuador außerhalb der Ortschaften sehr zurückhaltend oder besser gesagt gar nicht wahrnehmbar (vielleicht also doch recht sicher?), dennoch hielten wir uns an die Empfehlungen und vermieden meist das "wilde" Übernachten irgendwo in der Landschaft.

Als wir um die frühe Mittagszeit aus Vilcabamba abfuhren, wußten wir noch nicht, ob unser Etappenziel, die 265 km nördlich gelegene Stadt Cuenca heute noch erreichbar wäre. Dort hatten wir die Koordinaten eines sicheren Stellplatzes. Je größer die Stadt, desto wichtiger und zugleich schwieriger war normalerweise die Stellplatzsuche. Einige der in der Touristenszene kursierenden Stellplätze, sind für uns wegen der Höhe des Unimogs nicht zugänglich. Vielfach werden hier hübsche Eingangstore gebaut, die oben einen Querbalken oder Torbogen aufweisen, der sich dann für uns als zu niedrig erweist. So war es auch in Cuenca, aber zum Glück gab es ein zweites Tor ohne "Überbau". Cuenca war für uns Zwischenstation auf dem Weg nach Norden, dennoch blieben wir zwei Nächte und schauten uns in der Stadt u.a. die kleine Hutfabrik an. Hier werden die "echten" Panamahüte hergestellt, für die man (bei hohem Qualitätsanspruch) durchaus mehrere hundert Dollar anlegen muss. Das mit den Dollars ist wörtlich zu nehmen, denn die Landeswährung in Ecuador ist der US$.

In eine Stadt hinein zu fahren ist immer einfach, den richten Weg aus der Stadt hinaus zu finden, ist deutlich schwieriger. Es gibt praktisch keine Hinweisschilder und die Hauptstraße ist durchaus nicht immer diejenige, die am breitesten aussieht. So war auch der Weg aus Cuenca hinaus zunächst ganz eindeutig, endete dann aber doch am Stadtrand in einer Straßenbaustelle am Berghang.
Durch die heftigen Regenfälle rutschen zuweilen ganze Berghänge ab oder die Straßen selbst werden teilweise weggespült. Hier hieß es zwar, wir könnten mit unserem Auto weiterfahren, das Ganze kam uns aber doch nicht geheuer vor und konnte nicht die Hauptstraße nach Norden sein. Über etwas wilde unbefestigte, aber breite Wege erreichten wir dann die asphaltierte Straße Richtung Riobamba.
Hier in den Bergen ist es wichtig, die eine richtige Straße zu finden, denn sonst hat man keinerlei Chancen mal so eben die Richtung zu ändern. Die Richtung ist von den Berghängen und Tälern vorgegeben. Falsches Tal heißt dann falsche Richtung, also müsste man zurück fahren.

Auf unserem Weg nach Norden ging es noch mal über 3600 m hoch. In Riobamba begann wieder die Suche nach der richtigen Ausfallstraße nach Baños, unserem Zielort für die weitere Strecke in den nordöstlichen Regenwald. Wir konnten die Straße nicht finden und mehrfaches Nachfragen brachte völlig unterschiedliche Antworten. Des Rätsels Lösung: die eigentliche Straße nach Baños war wegen eines wenige Tage zuvor erfolgten Vulkanausbruchs nicht mehr passierbar und daher gesperrt worden. Also kleiner Umweg über Ambato.

Baños selbst ist ein lebendiger Ort, scheint vom Tourismus zu leben und entsprechend ist die Infrastruktur (u.a. das modernste und schnellste Internetcafe unserer ganzen Reise). Der vorher ausgeguckte Übernachtungsplatz konnte wegen des berüchtigten Torbogens zwar nicht genutzt werden, aber dafür hat Sarah es in einem längeren Gespräch geschafft, die Hotelleitung des größten Hotels im Ort davon zu überzeugen, dass unser Unimog wirklich nur auf ihrem bewachten und eingezäunten Parkplatz sicher sei.

Nach zwei Tagen ging es weiter Richtung Nordosten in eine urwaldähnliche Region oder vielleicht treffender: tropischer Regenwald. Üppige Vegetation und viel Regen, ähnlich wie damals die Carretera Austral in Chile; hier aber natürlich viel wärmer und zwischendurch auf kultivierten Flächen Bananen und Zuckerrohranbau. Die Gegend war tatsächlich sehr abgelegen und Ortschaften gab es auch keine mehr. Die Möglichkeiten einen geschützten Übernachtungsplatz zu finden waren minimal, daher beendeten wir unsere Tagestour schon am Nachmittag als wir ein einzelnes Haus in der Nähe eines Wasserfalls entdeckten. Die Bewohner meinten, es sei sicher hier und wir könnten uns direkt neben ihr Haus stellen.
Unsere Route ging weiter nach Nordosten bis auf 18 km an die kolumbianische Grenze heran. Landschaftlich sehr reizvoll, was wir aber bei den vielen Eindrücken der letzten Wochen gar nicht so recht zu würdigen wussten. Vielleicht waren wir auch beeinflusst von den Warnungen in unserem Reiseführer, diese Gegend zu meiden. Wegen der unmittelbaren Grenznähe würden sich hier Guerillagruppen und Drogenschmuggler aus Kolumbien zeitweise zurückziehen. In der Tat ist diese Landschaft so zerklüftet, bergig, bewaldet, dass es unmöglich erscheint hier jemanden abseits der einzigen Straße aufzustöbern. Wir sind dann in einem großen Bogen wieder nach Südwesten zurück in die Zivilisation gefahren. Dabei haben wir am 30. April den Äquator einmal in nördlicher und einmal in südlicher Richtung passiert, den Rio Aguarico mit einer Autofähre überquert und abends tatsächlich ein eingezäuntes Gelände an einem rauschenden Fluss für die Nacht gefunden.

Unsere grobe Richtung war zwar Quito, aber Sarah wollte gerne noch nach Otavalo (ca. 90 km nördlich von Quito) auf den Indianer-Markt zum Einkaufen. Also kurz vor Quito nach Norden abgebogen und dabei wegen der verschlungenen Straßenführung den Äquator zum dritten, vierten und fünften Mal überquert. Nach drei Tagen ging es dann über Quito (sechste Äquatorüberquerung) an die Pazifikküste.


Autec Werkstatt Quito ist wieder so eine im Tal gelegene Großstadt mit den üblichen Orientierungs-Problemen. Als wir uns am Nachmittag der Stadt näherten signalisierte uns das GPS-Gerät eine fast auf unserer Strecke gelegene Mercedes-/Iveco-/Landrover-Werkstatt (gut, dass wir alle 988 inzwischen gesammelten Wegepunkte eingegeben hatten). Nichts wie hin, denn unsere Bremsbelege an der Vorderachse mussten unbedingt erneuert werden. Die Belege hatte ich zwar dabei, aber unsere letzten Übernachtungsplätze waren nicht so recht für solche Arbeiten geeignet. Wir vereinbarten, dass die Arbeiten am nächsten Morgen gemacht werden sollten und erhielten das Angebot auf dem bewachten Werksgelände übernachten zu können. Das nahmen wir gerne an, denn wo wir die Nacht in der Gegend von Quito verbringen wollten, darüber hatten wir uns noch gar keine Gedanken gemacht (und wie schwierig das sein würde, merkten wir erst bei unserem zweiten Quito-Aufenthalt neun Tage später).

Wir hatten noch Zeit für den Besuch eines kleinen 12 km nördlich - direkt auf den Äquator - gelegenen Freilicht-Museums. Hier wurde uns anschaulich vorgeführt wie der ablaufende Strudel aus einem Wasserbecken sich einmal linksherum oder aber rechtsherum dreht, je nachdem ob das Becken zwei Meter nördlich oder südlich des Äquators aufgestellt wurde (für eine Erklärung hierzu siehe Wikipedia).

Am 4. Mai geht es dann an die Pazifikküste, also wieder mal die Berge runter: von 3184 m hinunter auf Meeresniveau. Vom Meer ist lange nichts zu sehen. Kleine Bergketten geben den Blick erst 15 km vor der Küste frei. In Pedernales erreichen wir den Pazifik (siebente Äquatorüberquerung). Wir fahren 85 km entlang der Küste nach Südwesten (achte Äquatorüberquerung) und machen für eine Woche Quartier in einem kleinen Ort (Canoa) direkt am Strand. Für eine Woche wird ein Bambusbungalow (zumindest tagsüber) unser Zuhause. Sarah zieht nachts den Unimog vor. Ein paar nachtaktive "Käferlein" (sie sagt Kakalaken) hatten ihre erste Nachtruhe gestört.

Wir haben uns bewusst für diese "Ruhewoche" zum Ausklang des gemeinsamen Teils unserer Reise entschieden. Wegen der Hochzeit von Helge und Anika werden wir nach Europa zurückkehren. Sarah am 15. Mai von Quito mit dem Flugzeug und ich am 4. Juni mit Schiff & Unimog von Cartagena/Kolumbien aus. Also lassen wir es uns hier noch einmal gut gehen: Ausführliches Frühstück (gutes Brot vermissen wir allerdings sehr!), weicher Sandstrand und warme Pazifikwellen, die das Baden nicht langweilig werden lassen und abends sind wir Stammgäste (manchmal die einzigen) in der Bambus-Strandbar mit ihren unschlagbaren Cocktails und Säften.


Hotel Quito Wir wollten zwei oder drei Tage vor Sarahs Abflug in Quito sein, uns noch ein wenig in der Stadt umsehen und den Flug bestätigen lassen. In der Zwischenzeit hatten wir versucht (Internet, Reiseführer, Email) eine sichere Unterkunft für uns und den Unimog in der Stadt zu finden - sehr schwierig. Großen Stress wollten wir uns deswegen aber auch nicht mehr machen, so entschlossen wir uns, in ein "richtiges" Hotel mit Parkplatz zu gehen: "Hotel-Quito" mit Kabelfernseher, Sauna, Dampfbad, Swimmingpool, WLAN-Internetanschluss und für uns das Wichtigste, mit einem eingezäunten, rund um die Uhr bewachten Parkplatz für den Unimog.

Die drei Tage vergingen sehr schnell. Sarah schrieb mir noch die wichtigsten drei Sätze in Spanisch auf einen Zettel:
"Wo ist der Weg nach ...?", "Kann ich mit dem Auto hier über Nacht stehen bleiben?", "Ist es hier sicher?"
Dann war es soweit: Dienstag, 15. Mai 2007, 13:19 Uhr Abschied nehmen! Wir haben versucht, es schnell und schmerzlos zu machen. Schon ein eigenartiges Gefühl nach mehr als sieben Monaten engem Zusammenseins sich plötzlich zu trennen und alleine weiter zu reisen. Sarah mit dem Taxi zum Flughafen, ich mit dem Unimog nach Norden Richtung Kolumbien.

Nach Norden stimmt (und damit erfolgte auch die neunte Äquatorüberquerung), Kolumbien stand aber noch nicht gleich auf meinem Plan. Zunächst ging es noch einmal nach Otavalo: Diesmal nicht zum Indianer-Markt, sondern an den kurz vor Otavalo gelegenen See, um mich mit Reisenden zu treffen, die wir in Cusco kennen gelernt hatten und die wir zwischendurch mehrmals wieder trafen. Die zwei Tage dort waren für mich sehr schön. In angenehmer Gesellschaft und ein gleitender Übergang zum alleine Weiterreisen.

Noch 173 km bis nach Tulcan, an der Grenze zu Kolumbien.