21.04.2007
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Neun mal über den Äquator
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Je weiter wir hier in Südamerika nach Norden kamen, desto seltener trafen wir Touristen - noch seltener Touristen mit Auto. Daher haben wir die Tipps der Wenigen dankbar angenommen. Fast alle haben uns empfohlen zur Einreise nach Ecuador einen im Landesinneren liegenden Grenzübergang zu wählen. Dort ginge es schneller und unkomplizierter. Wir waren aber an der Küste und wollten ohne Umweg auch hier über die Grenze. Erfahrungen mit verpassten Grenzabfertigungsstellen hatten wir in Argentinien/Chile ja schon gesammelt, also haben wir diesmal besonders gut aufgepasst. Zwei Kilometer vor der Grenze war (doch ganz gut erkennbar) das Emigration Office, wo wir die Ausreisetempel aus Peru bekamen (Dauer nach GPS-Trackangaben: 6 min).
Die eigentliche Grenze selbst sollte an der "International Bridge Aguas Verde" sein. Zunächst haben wir weder eine Brücke noch eine Grenze erkennen können, sondern sind von einem riesigen Marktgetümmel gestoppt worden, durch das wir uns im Schritt-Tempo versuchten vorwärts zu bewegen. Auf die Frage wo denn die Grenze sei, hieß es: "hier". Und wo könne man parken? "hier". Also haben wir das Auto stehengelassen und uns nach dem peruanischen Zollbüro umgeschaut, was tatsächlich hinter einigen Marktständen auf der linken Straßenseite zu entdecken war. (Dauer der Abfertigung nach GPS-Trackangaben: 9 min). Uns wurde versichert, dass es in Ecuador (natürlich im Unterschied zu den Nachbarländern) alles ganz sicher sei, und man wünsche uns eine schöne Zeit.
Im Gegensatz zu Peru ist die Polizeipräsenz in Ecuador außerhalb der Ortschaften sehr zurückhaltend oder besser gesagt gar nicht wahrnehmbar (vielleicht also doch recht sicher?), dennoch hielten wir uns an die Empfehlungen und vermieden meist das "wilde" Übernachten irgendwo in der Landschaft. Als wir um die frühe Mittagszeit aus Vilcabamba abfuhren, wußten wir noch nicht, ob unser Etappenziel, die 265 km nördlich gelegene Stadt Cuenca heute noch erreichbar wäre. Dort hatten wir die Koordinaten eines sicheren Stellplatzes. Je größer die Stadt, desto wichtiger und zugleich schwieriger war normalerweise die Stellplatzsuche. Einige der in der Touristenszene kursierenden Stellplätze, sind für uns wegen der Höhe des Unimogs nicht zugänglich. Vielfach werden hier hübsche Eingangstore gebaut, die oben einen Querbalken oder Torbogen aufweisen, der sich dann für uns als zu niedrig erweist. So war es auch in Cuenca, aber zum Glück gab es ein zweites Tor ohne "Überbau". Cuenca war für uns Zwischenstation auf dem Weg nach Norden, dennoch blieben wir zwei Nächte und schauten uns in der Stadt u.a. die kleine Hutfabrik an. Hier werden die "echten" Panamahüte hergestellt, für die man (bei hohem Qualitätsanspruch) durchaus mehrere hundert Dollar anlegen muss. Das mit den Dollars ist wörtlich zu nehmen, denn die Landeswährung in Ecuador ist der US$. In eine Stadt hinein zu fahren ist immer einfach, den richten Weg aus der Stadt hinaus zu finden, ist deutlich schwieriger. Es gibt praktisch keine Hinweisschilder und die Hauptstraße ist durchaus nicht immer diejenige, die am breitesten aussieht. So war auch der Weg aus Cuenca hinaus zunächst ganz eindeutig, endete dann aber doch am Stadtrand in einer Straßenbaustelle am Berghang. Auf unserem Weg nach Norden ging es noch mal über 3600 m hoch. In Riobamba begann wieder die Suche nach der richtigen Ausfallstraße nach Baños, unserem Zielort für die weitere Strecke in den nordöstlichen Regenwald. Wir konnten die Straße nicht finden und mehrfaches Nachfragen brachte völlig unterschiedliche Antworten. Des Rätsels Lösung: die eigentliche Straße nach Baños war wegen eines wenige Tage zuvor erfolgten Vulkanausbruchs nicht mehr passierbar und daher gesperrt worden. Also kleiner Umweg über Ambato. Baños selbst ist ein lebendiger Ort, scheint vom Tourismus zu leben und entsprechend ist die Infrastruktur (u.a. das modernste und schnellste Internetcafe unserer ganzen Reise). Der vorher ausgeguckte Übernachtungsplatz konnte wegen des berüchtigten Torbogens zwar nicht genutzt werden, aber dafür hat Sarah es in einem längeren Gespräch geschafft, die Hotelleitung des größten Hotels im Ort davon zu überzeugen, dass unser Unimog wirklich nur auf ihrem bewachten und eingezäunten Parkplatz sicher sei. Nach zwei Tagen ging es weiter Richtung Nordosten in eine urwaldähnliche Region oder vielleicht treffender: tropischer Regenwald. Üppige Vegetation und viel Regen, ähnlich wie damals die Carretera Austral in Chile; hier aber natürlich viel wärmer und zwischendurch auf kultivierten Flächen Bananen und Zuckerrohranbau. Die Gegend war tatsächlich sehr abgelegen und Ortschaften gab es auch keine mehr. Die Möglichkeiten einen geschützten Übernachtungsplatz zu finden waren minimal, daher beendeten wir unsere Tagestour schon am Nachmittag als wir ein einzelnes Haus in der Nähe eines Wasserfalls entdeckten. Die Bewohner meinten, es sei sicher hier und wir könnten uns direkt neben ihr Haus stellen. Unsere grobe Richtung war zwar Quito, aber Sarah wollte gerne noch nach Otavalo (ca. 90 km nördlich von Quito) auf den Indianer-Markt zum Einkaufen. Also kurz vor Quito nach Norden abgebogen und dabei wegen der verschlungenen Straßenführung den Äquator zum dritten, vierten und fünften Mal überquert. Nach drei Tagen ging es dann über Quito (sechste Äquatorüberquerung) an die Pazifikküste.
Wir hatten noch Zeit für den Besuch eines kleinen 12 km nördlich - direkt auf den Äquator - gelegenen Freilicht-Museums. Hier wurde uns anschaulich vorgeführt wie der ablaufende Strudel aus einem Wasserbecken sich einmal linksherum oder aber rechtsherum dreht, je nachdem ob das Becken zwei Meter nördlich oder südlich des Äquators aufgestellt wurde (für eine Erklärung hierzu siehe Wikipedia). Am 4. Mai geht es dann an die Pazifikküste, also wieder mal die Berge runter: von 3184 m hinunter auf Meeresniveau. Vom Meer ist lange nichts zu sehen. Kleine Bergketten geben den Blick erst 15 km vor der Küste frei. In Pedernales erreichen wir den Pazifik (siebente Äquatorüberquerung). Wir fahren 85 km entlang der Küste nach Südwesten (achte Äquatorüberquerung) und machen für eine Woche Quartier in einem kleinen Ort (Canoa) direkt am Strand. Für eine Woche wird ein Bambusbungalow (zumindest tagsüber) unser Zuhause. Sarah zieht nachts den Unimog vor. Ein paar nachtaktive "Käferlein" (sie sagt Kakalaken) hatten ihre erste Nachtruhe gestört. Wir haben uns bewusst für diese "Ruhewoche" zum Ausklang des gemeinsamen Teils unserer Reise entschieden. Wegen der Hochzeit von Helge und Anika werden wir nach Europa zurückkehren. Sarah am 15. Mai von Quito mit dem Flugzeug und ich am 4. Juni mit Schiff & Unimog von Cartagena/Kolumbien aus. Also lassen wir es uns hier noch einmal gut gehen: Ausführliches Frühstück (gutes Brot vermissen wir allerdings sehr!), weicher Sandstrand und warme Pazifikwellen, die das Baden nicht langweilig werden lassen und abends sind wir Stammgäste (manchmal die einzigen) in der Bambus-Strandbar mit ihren unschlagbaren Cocktails und Säften.
Die drei Tage vergingen sehr schnell. Sarah schrieb mir noch die wichtigsten drei Sätze in Spanisch auf einen Zettel: Nach Norden stimmt (und damit erfolgte auch die neunte Äquatorüberquerung), Kolumbien stand aber noch nicht gleich auf meinem Plan. Zunächst ging es noch einmal nach Otavalo: Diesmal nicht zum Indianer-Markt, sondern an den kurz vor Otavalo gelegenen See, um mich mit Reisenden zu treffen, die wir in Cusco kennen gelernt hatten und die wir zwischendurch mehrmals wieder trafen. Die zwei Tage dort waren für mich sehr schön. In angenehmer Gesellschaft und ein gleitender Übergang zum alleine Weiterreisen. Noch 173 km bis nach Tulcan, an der Grenze zu Kolumbien. |