01.02.2007
Argentinien

Das argentinische Seengebiet
Über El Bolson nach San Carlos de Bariloche
und weiter entlang der "Ruta de los Siete Lagos"

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Photo Gallery 

mapAuf unserer Fahrt weiter nach Norden ging es durch landschaftlich sehr schöne Gebiete: im Westen die Kette der schneebedeckten Andengipfel, entlang unserer Route ein Gebiet sanft wilder Mischwälder und Seen.

Wir nahmen dies nach den letzten Wochen als ganz selbstverständlich hin und mussten uns erst wieder bewusst machen, wie viel Aufmerksamkeit wir im Dezember (nach der Fahrt durch das südliche Patagonien und durch Feuerland) den ersten Bäumen geschenkt hatten, und wie begeistert wir waren von dem wenigen Schnee auf den (kleinen) Bergen bei Ushuaia.

Die Farben der Natur hier sind klar und rein: strahlend blau der Himmel und die Seen, sattes Grün von den bewaldeten Berghängen und schneeweiße Berggipfel im Sonnenlicht. Die Gegend wird nicht zu Unrecht die "argentinische Schweiz" genannt.
Es gibt viele sehr fischreiche Flüsse und Seen, was entsprechend vermarktet wird und anscheinend besonders Nordamerikaner begeistert. Wir ließen uns mit einer großen frisch geangelten Lachsforelle beschenken, die wir gleich ausnahmen und am nächsten Tag stilecht an einem See verspeisten.

mapDas Klima ist sehr angenehm: Tagsüber warm, ohne große Hitze und nachts erfrischend kühl. Viele der Bergstraßen, die wir jetzt mühelos befahren, sind im Winter tief verschneit und zum Teil gesperrt. Die Gegend gehört zu den beliebtesten Reisezielen des Landes. Jetzt ist Sommer-Hauptsaison in Argentinien und entsprechen voll sind die Ortschaften.

An Outdoor-Aktivitäten wird fast alles geboten: Trekking- und Mountainbiketouren, Bergsteigen, Ausritte, Wildwasser-Rafting, Kayakfahren, Angeln; selbst Gleitschirmfliegen in der Gegend um Bariloche ist möglich. Und im Winter ist dann Skifahren angesagt.

Irgendwie reizt uns das alles nicht so sehr. In den größeren Orten tauchen wir abends lieber ein in das Getümmel, etwas Atmosphäre schnuppern, ein bisschen die Vorräte auffüllen, der obligatorische Gang ins Internetcafe und vor allem der Besuch eines guten (und hier so preiswerten) Restaurants. Vor 21:00 Uhr gibt es da nichts und nach 21:30 Uhr gibt es kaum noch freie Plätze.

Die Bilder in unserer Photo-Gallery lassen ein wenig erkennen von der schönen Landschaft hier, aber zuweilen auch, was es heißt, sich in der Hochsaison in den Haupturlaubsorten zu bewegen.
So zieht es uns weiter nach Norden. Wir haben das Gefühl, mal richtig ein ordentliches Stück voran kommen zu müssen, zumal Sarah Mitte Februar eine Freundin in Cordoba besuchen will und das sind noch mehr als 1600 km auf der kürzesten Verbindung. Die kürzesten Wege sind besonders hier nicht die schnellsten, daher der Entschluss wieder nach Chile und weiter nach Norden über Santiago zu ziehen.

 
   
   

4.02.2007
Chile/Argentinien

Ein Sprung nach Norden über die chilenische Autobahn
Von Pucon über Santiago nach Mendoza und Cordoba

 

Vom argentinischen Seengebiet aus fahren wir durch mehrere Nationalparks weiter nördlich nach Chile bis in den Ferienort Pucon. Die Gegend hier ist mit Vulkanen gesäumt, einige von ihnen sind sogar noch aktiv, so dass man es tagsüber rauchen sieht und nachts der orangene Schein der Glut am Kraterrand leuchtet.
Auch in Pucon war wieder Highlife am eigentlich sehr schönen vulkanisch-schwarzen Sandstrand des Sees Villarica, so dass wir nach einem Tag weiter Richtung Santiago fuhren.

Zunächst einmal kommt es einem auf der chilenischen Autobahn so vor, als sei man zu Hause: es gibt tatsächlich ganze vier Spuren, jeweils zwei nach Norden und zwei nach Süden. Getrennt werden sie von einem Mittelstreifen und die Beschilderung ist ganz ähnlich wie bei uns auch in den vertrauten blauen Farben. Fast ist man etwas enttäuscht oder vielleicht auch überrascht von so viel Infrastruktur. Aber dann merkt man doch schnell, was anders ist: Hühner und Hunde überqueren die Straße, Fahrradfahrer und Fußgänger befinden sich am Straßenrand und alle paar Meter werden chilenische Spezialitäten wie Empanadas, Mote (Pfirsichsaft mit Getreidekörnern drin), viel Obst und Gemüse, aber auch Besen oder Keramikwaren angeboten.

Wir legten in diesen Tagen schnell viele Kilometer zurück, bezahlten eine Menge Autobahngebühr (Chile ist sowieso verhältnismäßig teuer - etwa europäisches Niveau) und kamen nach drei Tagen etwas entnervt von der Fahrerei in Santiago an. Glücklicherweise fanden wir einen idealen Standplatz auf einer recht noblen Sportanlage, ziemlich zentral in der Stadt.

Da die Freundin, die ich in Cordoba besuchen wollte, zufälligerweise auch gerade in Santiago war (gut, dass es Internet gibt!), verbrachte ich die nächsten Tage gemeinsam mit ihr und zwei weiteren Deutschen und wohnte bei ihnen in einer Wohnung mitten in der Stadt. Die Tage und Nächte füllten wir mit Spaziergängen durch die Stadt, Cafe- und Restaurantbesuchen und dergleichen mehr.
Mein Fazit: Santiago ist eine Reise wert!

Ich (Hilmar) hatte mich (auch dank Internet) von einem deutsch sprechenden Chilenen einladen lassen und erfuhr so ein wenig von dem Alltagsleben und -Sorgen eines Großstadtmenschen in Santiago. Die Stadt besitzt mehrere Zentren, die jeweils mit riesigen Einkaufspassagen ausgestattet sind. Wer Spaß am Konsum und Einkaufen hat, ist hier gut aufgehoben. Ehrlicherweise muss ich zugestehen, dass diese Konsumtempel nicht nur viel größer sind als das, was wir in Deutschland kennen, sie sind auch architektonisch viel einfallsreicher angelegt, in einer Mischung aus überdachten Bereichen und Teilen unter freiem Himmel.

Von Santiago aus ging es durch Weinanbaugebiete nach Westen an die Pazifik-Küste Richtung Valparaiso. Wir wollten uns die Stadt anschauen und evtl. einen Badetag am Pazifik einlegen. Vom Hafen weg ziehen sich die Häuser steil die Berghänge empor, das Laufen ist daher etwas mühsam, kann aber durch die Benutzung vieler Aufzüge und steiler "Straßenbahnen" zum Erlebnis werden.

Das Parken mit dem Unimog ist in Städten immer ein Problem, hier in den steilen, engen Hangstraßen praktisch unmöglich. Also machten wir aus der Not eine Tugend und parkten auf dem einzigen(?) größeren, sehr schön gepflasterten Platz im Zentrum, direkt vor einer Art Regierungsgebäude. Auf unsere Frage, ob wir hier parken dürften, lautete die Antwort: "nein", aber wir sollten ruhig stehen bleiben. Da um uns herum noch einige weitere Autos standen, hatten wir keine Bedenken und zogen los. Als wir am Nachmittag zurückkamen, stand unser Unimog fast allein auf dem Platz und hinter dem Scheibenwischer klemmte ein Stück Papier. - Keine Einladung aufs Polizeirevier, sondern eine Nachricht von Renate und Michi, die wir an den Weihnachtstagen in Ushuaia kennen gelernt hatten. Also trafen wir uns und tauschten gegenseitig unsere Erlebnisse aus.

Vor dem Dunkelwerden fuhren wir aus der Stadt raus, Richtung Norden in das angrenzende Vina del Mar. Wir wollten ja noch einen Badetag einlegen. Damit wurde es dann leider nichts, weil die Strände dermaßen voll waren, dass uns die Lust verging und auch die Stellplatzsuche für den Unimog kompliziert geworden wäre. So war der Abstecher an die Pazifikküste eher kurz und wir brachen schon nach zwei Tagen wieder Richtung Argentinien auf.

Über den Pass del Cristo Redentor ging es im Zick-Zack bis auf 3185 m hoch und dann durch einen Tunnel (der uns vor weiteren 700 Höhenmetern bewahrte) bis auf die argentinische Seite.
Die Grenzkontrollstelle haben wir dabei völlig übersehen; sie lag abseits der Straße, so daß wir noch mal sechs Kilometer zurückfahren mussten, um die nötigen Ein- und Aus-Reisestempel sowie das neue Zollpapier fürs Auto zu bekommen.

Nächstes Ziel war Mendoza. Eine Stadt die für ihre Weine berühmt ist. Ansonsten gäbe es in Mendoza nichts Besonderes zu sehen, heißt es im Reiseführer. Das mag vielleicht sein, dennoch hat uns die Stadt sehr gut gefallen. Mendoza ist eine grüne Stadt. Große Bäume säumen die Straßen, in deren Schatten es sich auch in den heißen Sommertagen gut aushalten läßt. Hinzu kommen kleine Parks und auch eine sehr nette Fussgängerpassage.

Wir landeten auf einem schönen Campingplatz mit Pool und abendlichen Filmvorführungen im Freien. Zudem kamen einen Tag nach uns auch Renate und Michi an, so dass wir einige Tage in Mendoza blieben. In dieser Zeit fuhr ich (Sarah) mit zwei Leuten, die wir auf dem Campingplatz kennen gelernt hatten, für einen Tag zu nahe gelegenen Thermen, abends gingen wir mit Renate und Michi Essen und besichtigten zusammen zwei verschiedene Weingüter. Die argentinischen Weine sind vielfach hervorragend und dazu für uns doch so preiswert.

Von Mendoza aus schafften wir es tatsächlich an einem einzigen Tag bis nach Cordoba (723 km!). Hier verbrachte ich die folgenden Wochen mit einer Freundin in der Stadt, während Hilmar ins ca. 90 km südlich gelegene Villa Belgrano fuhr und sich dort endlich einmal von seiner immer etwas schneller als er vorankommen wollenden Tochter erholen durfte.
Nach eineinhalb Wochen Cordoba ging es zusammen mit zwei anderen Deutschen im Nachtbus nach Buenos Aires, wo ich zwei Nächte blieb und dann zurück zu Hilmar nach Villa Belgrano fuhr. Es war schön, noch einmal in Buenos Aires gewesen zu sein. Diesmal fügten sich die verschiedenen Puzzelteile der Stadt zusammen und diese große Stadt wurde doch etwas übersichtlicher. Cordoba ist hingegen als Stadt nicht unbedingt schön. Auch die herrschende Armut wurde für mich hier zum ersten Mal unangenehm sichtbar.

Richtig künstlich erschien mir nach diesen zwei Wochen in Cordoba und Buenos Aires der Ort "General Villa Belgrano" mit seinen ordentlichen Vorgärten, Gartenzwergen und dem alpenländischen Ambiente, als hätte Walt Disney hier einen bayrischen Ort nachgebildet. In der Tat leben hier viele Nachkommen deutscher Einwanderer und Nachkommen von Besatzungsmitgliedern, die nach der Selbstversenkung des Kriegsschiffes "Graf Spee" in Argentinien gebliebenen waren.
Ich (Hilmar) habe es genossen mal zwei Wochen auszuspannen, nicht weiter zu fahren und mit anderen Weltenbummlern einfach nur die schöne Umgebung zu genießen. Gesprächsstoff gab es mehr als genügend, vor allem auch mit Ralf und Bettina - zwei Pinnebergern, die vor 13 Jahren hierher ausgewandert waren und mit ihrem schönen Platz zum Anlaufpunkt vieler Reisender geworden sind. Diese Pause war notwendig, denn die vielen Eindrücke immer wechselnder Orte und Landschaften zu verarbeiten, braucht seine Zeit. Auto oder Flugzeug bringen uns schnell an andere Orte, aber wie heißt es doch: "die Seele geht immer noch zu Fuß".
Hier hätte man auch das Auto sicher unterstellen können, um vielleicht für einige Wochen oder Monate nach Europa auf Heimaturlaub zu fliegen. Wir wollen aber ja noch nicht zurück!

Es sollte weiter nach Nordchile gehen, um von dort aus nach Bolivien und Peru zu kommen. Wir verlassen nun also Argentinien endgültig, endlich möchte ich (Sarah) fast sagen, nicht, weil es uns nicht gefallen hätte - ganz im Gegenteil - aber weil dieses Land einfach so unglaublich groß ist, dass man oft das Gefühl hat, überhaupt nicht vorangekommen zu sein. Ich freue mich darauf, die anderen Länder kennen zu lernen, in der Hoffnung, auch das fremde Südamerika anzutreffen, wie ich es mir gewünscht hatte. Denn Argentinien und auch Chile sind doch zwei Europa sehr ähnliche Länder und haben zumindest mit meiner Vorstellung, die ich von Südamerika hatte, nicht so viel gemein.

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Fazit Argentinien: einfach unvorstellbar groß; man muss unglaubliche Distanzen zurücklegen; ewig lange, nicht enden-wollende Geradeaus-Straßen; riesige Estancias mit endlos langen Zäunen; Pampa, Pampa, nix als Pampa; aber auch Gletscher; Seen; landschaftlich sehr abwechslungsreich; Wale, Pinguine, Seelöwen, Guanacos, Gürteltiere; Feuerland; Patagonien: enorm starker Wind; die Menschen sind offen, sehr freundlich und hilfsbereit; sehr europäisch geprägt; in jedem noch so kleinen Ort gibt es einen Campingplatz; das Fleisch und der Rotwein sind fantastisch; es steht nie Pfeffer auf dem Tisch; köstliche frisch gepresste Fruchtsäfte; Medialunas; Empanadas; Asado; Dulce de Leche; ansonsten gibt es nicht viel kulinarisch Typisches; es gibt viel Pizza und Fast-Food; preislich für uns enorm günstig; Mate-Tee und Thermoskanne. Und eine ganz eigene Art spanisch zu reden.