04.12.2006
Argentinien

Weiter südwärts
Richtung Feuerland


Mehr Fotos in der
Photo Gallery 

MapDer weitere Weg nach Süden ist vorgegeben durch die RN3 (Route National Nr.3), eine bis nach Feuerland fast durchgehend geteerte Fernstraße auf der Ostseite Argentiniens in der Nähe der Atlantikküste. Die RN3 ermöglicht zwar zügiges Vorankommen, vermittelt aber stundenlang den spektakulären Eindruck absoluten Nichts - bis zum Horizont patagonische Steppenlandschaft. Eigentlich eine Nicht-Landschaft.

Für Abwechselung sorgen Abstecher zur Atlantik-Küste und an wenigen Stellen auch ins Binnenland nach Westen. Hier geht es dann über Schotter- und Wellblechstraßen zu zahlreichen Naturreservaten. Wir haben diese Wege vielfach bevorzugt, dafür aber bis in die Nähe der Magellanstraße bei Rio Gallegos (dem Übergang nach Feuerland) auch 5190 km seit Buenos Aires zurückgelegt.

Unser Weg führte uns zu mehreren Pinguin-Kolonien, wovon wir uns drei mit viel Begeisterung anschauten. Die Pinguine zeigen sich wenig scheu. Manchmal mussten wir ihnen ausweichen und einen Umweg gehen, da sie sich uns mitten in den Weg stellten.

Abwechslung brachte auch der "Versteinerte Wald" bei Sarmiento, welcher sich etwas im Landesinnern, westlich der RN3, befindet. Anders, als es der Name vermuten lässt, fährt man nicht in einen Wald hinein, sondern die Landschaft wird hügelig und vulkanisch, mit faszinierender Kulisse, in welcher versteinerte Baumstämme von der Erosion freigelegt wurden. Interessanter als das versteinerte Holz selbst, war die bizarre wüstenähnliche Landschaft.

Hier erlebten wir auch zum ersten Mal deutlich, was der patagonische Wind für eine Kraft hat. Die Park-Ranger beteuerten uns allerdings, dies sei kein wirklich starker Wind, wir sollten mal im Winter wiederkommen, wenn es wirklich stürmt. Uns hat dieser Wind allerdings schon gereicht, denn er ließ unseren Kabinen-Aufbau bedrohlich schaukeln und erinnerte uns an die stürmischen Tage, die wir auf See erlebt hatten. - Schön hingegen ist, dass die Tage mittlerweile sehr lang geworden sind: gegen 5:00 Uhr ist es hell und die Sonne geht erst nach 21:30 unter. Es gibt eine lange Dämmerungszeit, so dass es erst nach halb elf richtig dunkel ist.

Valdes_bis_Ushuaia-Teil-1Auf teilweise sehr schlechten Wellblech-Wegen fuhren wir zurück an die Küste nach Puerto Rio Deseado; eine kleine "Stadt" die bereits ein paar Kilometer vor der Ortseinfahrt ihre Meerestierwelt groß auf Plakaten anpreist.

Kaum am Campingplatz angekommen, hat der Besitzer auch schon mit einem der Veranstalter telefoniert, welcher kurz darauf auf dem Campingplatz auftaucht und uns für sein Exkursions-Programm begeistern will. Dieses Engagement hat sich auch tatsächlich gelohnt, denn am nächsten Tag saßen wir mit sechs weiteren Leuten im Schlauchboot der "Darwin-Expeditions" und bekamen wirklich einen sehr schönen Ausflug in das "Reserva Natural Ria Deseado" geboten.
Dieses Reservat wird von vielen für eines der wichtigsten Meeres-Schutzgebiete Südamerikas gehalten. Durch den Anstieg des Meeresspiegels ist das Meerwasser ca. 40 km in den alten Flusslauf des Rio Deseado ins Landesinnere vorgedrungen. Inseln und Uferbereiche bieten einen Schutzraum, unter anderem für Magellan-Pinguine, Austernfischer, verschiedene Kormoranarten, Seelöwen und Commerson Delphine.

Von den Delphinen haben wir leider nur einmal kurz eine Flosse gesehen, aber ansonsten sind wir ganz nah an die Felsen mit den Nistplätzen der Kormorane herangefahren, haben (zum wiederholten Male...) Magellan-Pinguine gesehen und sind (juchhu!) hautnah an die Seelöwen auf ihrer Felsinsel herangekommen.

Nachdem wir nun fast nirgendwo länger als eine oder zwei Nächte verbrachten, haben wir mal wieder das Bedürfnis, uns etwas zu entspannen. Aber nach Valdes einen vergleichbar schönen Stellplatz zu finden, an dem man sich gerne etwas länger aufhält, ist nicht so leicht.
Dörfer in unserem Sinne gibt es (zumindest auf unserer Strecke in den Süden) in Argentinien nicht. Vom kargen Land der patagonischen Steppe braucht man viele (tausende) Hektar, um eine Farm (Estancia) wirtschaftlich zu betreiben; und dieses Land ist dann fast restlos eingezäunt. Also nichts mit traumhaften Stellplätzen.

Die letzten zwei Tage vor Überquerung der chilenischen Grenze bleiben wir in Rio Gallegos fast direkt am Fluss. Die Stadt ist sehr lebendig und bietet alle Versorgungsmöglichkeiten. Eine gute Gelegenheit unsere Homepage endlich zu aktualisieren.
Warum einige der Hauptstraßen gesperrt sind, begreifen wir am Abend: Rio Gallegos feiert sein 121-jähriges Bestehen. Es sind Bühnen aufgebaut und viele kleine Verkaufsstände. Unser Stellplatz ist der ideale Logenplatz für ein Riesenfeuerwerk, welches am zweiten Abend, direkt vor uns, nachts um 0:30 abgebrannt wird. Die richtige Einstimmung auf Tierra del Fuego - Feuerland.

So sind wir nun viel früher als erwartet schon fast an der chilenischen Grenze, die man zwei Mal überqueren muss, um wieder auf die argentinische Seite von Feuerland zu gelangen. Wir erhoffen uns, dass Ushuaia (angeblich die südlichste Stadt der Welt) ähnlich wie Valdes ein Ort ist, an dem es sich lohnt, wieder einmal längere Zeit auszuspannen.

 
   
   

20.12.2006
Argentinien

Tierra del Fuego - Feuerland
Ushuaia


Mehr Fotos in der
Photo Gallery 

Valdes_bis_Ushuaia-Teil-2Von Rio Gallegos aus erreichen wir nach rund 70 km die chilenische Grenze. Das nicht ganz entspannte Verhältnis der beiden Nachbarstaaten zeigt sich an der bloßen Existenz dieser Grenzübergangsstellen. Da sind wir in Europa inzwischen verwöhnt. Obwohl permanent Argentinier die 205 km auf chilenischem Gebiet zwischen den Provinzen Santa Cruz im Norden und Tierra del Fuego im Süden durchqueren, gibt es keinerlei beschleunigte Abfertigungsmodalitäten, etwa durch Ausgabe von Passierscheinen. Es findet eine ganz normale, international übliche Grenzabfertigung statt, d.h. Polizeiabfertigung, Zollabfertigung (mit für uns zusätzlicher Ausstellung des Zollpapiers für das Auto) und einer extra Lebensmittelkontrolle. Bei dem regen Grenzverkehr dauerte die Abfertigung bei der Einreise nach Chile für uns etwas über zwei Stunden.

Nach nur 55 km erreichen wir Punta Delgada, von wo aus uns eine kleine Barkasse über die hier 5 km breite Magellan-Straße auf die chilenischen Seite der Isla Grande de Tierra del Fuego bringt. Die Überfahrt dauerte trotz starker Strömung nur etwa 25 Minuten, Sarah wäre gerne mal wieder etwas länger Schiff-gefahren.

Nach weiteren 145 km wiederholt sich dann die Grenzabfertigungsprozedur für die Wiedereinreise nach Argentinien. Es sind dann noch mal 310 km bis wir am nächsten Tag "das Ende der Welt" in Ushuaia erreichen. Ushuaia mit seinen ca. 50000 Einwohnern ist angeblich die südlichste Stadt der Welt. Das ca. 15 km weiter südlich gelegene Puerto Williams auf der vorgelagerten chilenischen Isla Navarino wird dabei von den Argentiniern als winzige Marinesiedlung mit seinen 2200 Einwohnern gerne ignoriert.

Was wir uns erhofft hatten, ist eingetroffen: Ushuaia war nach Valdes mal wieder ein Ort, an dem wir uns richtig ausspannen konnten. Wir haben einen tollen Campingplatz am Fuß einer Sessellift-Station gefunden, dessen Besitzer unglaublich freundlich waren und eine angenehme Atmosphäre verbreiteten. Zum Campingplatz gehört eine kleine Blockhütte, in der man sich aufhalten kann zum Essen, Trinken, Kartenspielen, Lesen oder klönen.

Viele Traveller reisen über Weihnachten nach Ushuaia, um hier zusammen die Feiertage zu verbringen, so dass wir viele unterschiedliche Leute kennen gelernt haben. Viele sind wie wir mit dem Auto unterwegs, einige mit dem Motorrad, manche einfach nur mit dem Rucksack und ein paar (ganz Tapfere?) bereisen Südamerika mit dem Fahrrad. Es sind viele Paare unterwegs, aber auch Alleinreisende, Pensionierte, Aussteiger, junge Leute in meinem Alter, die gerade ihr Studium abgeschlossen haben oder ein wenig Ältere, die es irgendwie geschafft haben, sich eine längere Auszeit von der Arbeit zu nehmen. Es sind auch einige Familien unterwegs, die meisten Kinder sind noch im Kindergartenalter, andere werden von ihren Eltern während der Reise selbst unterrichtet.

Neben dem obligatorischen Informationsaustausch über die Autos und die gefahrenen Routen, ist es hier auch endlich einmal möglich, die anderen Leute näher kennen zu lernen, da die meisten mehrere Tage bis Wochen hier bleiben und nicht schon gleich nach einem oder zwei Tagen, nachdem man sich gerade kennen gelernt hat, wieder abfahren.

antarkticaUshuaia ist das wichtigste Tor zur Antarktis; sind es doch nur 1100 km mit dem Schiff bis zum Rand der sich Richtung Südamerika ausstreckenden "Peninsula Antarktika". Kreuzfahrten zum phantastischen Kontinent aus ewigem Eis werden von vielen Veranstaltern zu Preisen zwischen 3000 und 7000 US$ pro Person angeboten, etwas zuviel für eine vielleicht zweiwöchige Schiffsreise, wie wir fanden.

Also haben wir Weihnachten am Campingplatz verbracht; die Besitzer haben ein Buffet/Asado vorbereitet, an dem fast alle Gäste teilgenommen haben. Es war schön, so viele Leute um sich zu haben, so dass wir uns dazu entschlossen, Silvester auf die gleiche Weise zu verbringen.

Während der fast zwei Wochen in Ushuaia haben wir die meiste Zeit ausgespannt, es genossen, das Auto einfach stehen lassen zu können, durch die Stadt zu bummeln und natürlich ins Internet zu gehen. Wir haben ein paar Ausflüge in die Umgebung gemacht und ich habe Hilmar sogar dazu bekommen, zwei "Wanderungen" mit mir zu machen: die erste ging hinauf auf einen Gletscher (wobei wir den Sessellift, der überraschenderweise in Betrieb war, dann doch gerne für das letzte Stück in Anspruch genommen haben), die zweite Wanderung war im Nationalpark entlang eines Sees und führte bis hinüber nach Chile, was man allerdings nicht bemerkt hätte, wäre es in der Broschüre mit den Wanderwegen nicht erwähnt worden.

Ich weiß nicht mehr, was ich mir vorher vorgestellt hatte, wenn ich an Feuerland gedacht habe. Es ist auf jeden Fall nicht derart exotisch, wie man vielleicht meinen könnte. Die Landschaft allerdings ändert sich beträchtlich je weiter südlich man auf Feuerland kommt und unterscheidet sich sehr von unserer bisher gefahrenen Strecke. Plötzlich gibt es wieder Bäume und nicht bloß die Sträucher der Pampa; und schneebedeckte Berge erscheinen am Horizont. Die ganze Szenerie erinnert dann stark an Bayern, Österreich oder die Schweiz. Kleine Flüsschen schlängeln sich durch die Landschaft, also wie im Bilderbuch.

Der Nationalpark westlich von Ushuaia geht bis an die chilenische Grenze. Er ist sehr schön, wird jedoch derart vermarktet, dass er fast seinen Zauber verliert. Die Touristen werden Busseweise in den Park kutschiert, an den wenigen Hotspots kurz rausgelassen, um dann die nächste Fuhre abzuholen. Da waren wir doch sehr froh, im eigenen Auto unterwegs zu sein, unser Tempo selbst bestimmen zu können und den Park nach der Hauptstoßzeit fast für uns allein zu haben. Nur zwei Nächte darf man offiziell im Park übernachten, so dass es mit den Campern und Wohnmobilisten nicht überhand nimmt.

Das Wetter ist recht bescheiden seit den zwei Wochen, die wir uns nun auf Feuerland befinden; es regnet fast täglich mehrmals kurz, die 10-Grad-Marke wird nicht überschritten und der Himmel ist oft grau. Im Reiseführer heißt es, auf Feuerland gäbe es alle vier Jahreszeiten an einem Tag. Das stimmt zwar, aber der Sommer kommt dabei doch etwas zu kurz.
Am zweiten Januar wollen wir weiterfahren, Richtung Norden, diesmal auf chilenischer Seite, auch mit der Hoffnung auf etwas wärmere Temperaturen, wobei dies wohl noch eine Weile dauern wird. Wieder geht ein Abschnitt der Reise zu Ende, mit etwas Wehmut verlassen wir Ushuaia, aber gespannt auf das, was uns als nächstes erwartet.