12.11.2006
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Die ersten Tage
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Ein Sonntags-Spaziergang in der Nachbarschaft und eine Feier am Nachmittag anlässlich des "Tages der Tradition" machen uns verständlich warum so viele Menschen in dieser Gegend hier auch heute noch Deutsch sprechen: Die Auswanderer des 19. Jahrhunderts haben Deutschaland nicht freiwillig verlassen, sondern suchten aus wirtschaftlicher Not nach einem Neuanfang in Argentinien. Gefühlsmäßig blieben sie der alten Heimat eng verbunden, was sich besonders im Erhalt von Bildungssystemen und Pflege der Sprache ausdrückte. Es wurden deutsche Schulen gegründet, die heute einen ausgezeichneten Ruf genießen und von Argentiniern aller Abstammungen besucht werden. Es ist in diesen Familien ganz selbstverständlich, dass die heutigen Nachkommen Deutsch fast genau so gut wie Spanisch sprechen. Mit der S-Bahn sind wir in 40 Minuten in der City von Buenos Aires. Am Montag gibt es viel zu erledigen:
Das hat alles viel besser geklappt als erwartet; der positive Stress hält uns auf den Beinen, dennoch sind wir erschöpft. Die Tagestemperaturen lagen um die 30 Grad. Wir sind viel gelaufen, hatten aber das Glück, alles im Innenstadtbereich von Buenos Aires zu Fuß erreichen zu können.
Diese Eindrücke bestätigten sich am Dienstag bei der privat organisierten Stadtbesichtigungstour mit Taxi und U-Bahn. Die Bevölkerung ist so bunt gemischt, mit vielen europäisch geprägten Gesichtern, dass wir (bei entsprechender Kleidung) nicht unbedingt sofort als Touristen auffallen. Auffällig sind hingegen für uns die großen breiten Straßen (Avenida 9 de Julio: 16 Spuren), die lebendigen Fußgänger-Einkaufsstraßen, die vielen Cafes und Restaurants, das Gemisch von Wolkenkratzern und schönen alten Stadthäusern, die vielen Parks, die tragbaren Werbeplakate, die den Autofahrern während der Rotphase entgegengehalten werden, die professionellen Hundeausführer, die mit bis zu 12 Hunden den Besitzern das "Gassigehen" gegen Bezahlung abnehmen und das für uns so sehr günstige Preisniveau. Nicht zu vergessen natürlich die an vielen Stellen der Stadt anzutreffende Gegenwart des Tangos, seien es die Plakate der Tangoschulen oder die Tangotänzer auf der Straße. Wer das Großstadtleben liebt, ist in Buenos Aires sehr gut aufgehoben. Ein riesiges kulturelles Angebot, kulinarisch etwas für jeden Geschmack, jede Art von Shopping und Amüsement, eben eine Metropole wie für Großstadtmenschen geschaffen. Nach einem Ruhetag haben wir am Donnerstag Nachmittag bei Temperaturen um 36 Grad noch mal einen Bummel durch einige Einkaufsstraßen gemacht. Der abendliche Besuch einer Tangoshow war eher ein Flop - zu viel Show, zu wenig Tango, eben eine typische Veranstaltung für Touristen. Anmerkung: Mit dem zeitlichen Abstand von
einigen Monaten und mit einem etwas gewachsenen Verständnis für die
Geschichte des Tangos in Südamerika ist die Einschätzung eine etwas andere.
Denn wer beim Tango nur ans Tanzen denkt, wird in der Tat oft enttäuscht
bleiben. Es geht dabei auch ums Tanzen, aber Tango ist viel mehr. Ein
Englischer Reisender hat es sehr schön formuliert: Enrique Santos Discépolo, der berühmteste Tangodichter und Tangokomponist Argentiniens, drückt es anders aus: "Tango ist ein trauriger Gedanke, den man auch tanzen kann" Ein Teil dieser alten Tangokultur soll in den Tangoshows dargestellt werden. Nach fast einer Woche wollten wir am Freitag dann raus aus der Stadt und Richtung Süden aufbrechen. |
17.11.2006
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Südwärts
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Bereits über eine Woche in Argentinien, aber noch keine 400 km gefahren, bekamen wir dann aber das Gefühl, nun einmal etwas weiter vorankommen zu müssen. Das nächst größere Ziel hieß Peninsula Valdes, ein Natur- und Tierschutzgebiet; von unserem Standpunkt San Clemente noch etwa 1500 km entfernt, Richtung Süden. In den folgenden vier Tagen versuchten wir also einige Kilometer hinter uns zu lassen. Mit Tempo 85, etlichen Pinkel-, Mittagsessens- und Kaffeepausen gestaltete sich dieses Vorhaben aber etwas langwieriger als gedacht. Sorgten anfangs die Küstenorte wie Pinamar, Mar del Plata und Miramar noch für Abwechslung, wurde die Strecke dann nach Bahia Blanca doch ermüdend und teilweise eintönig. Auch die Suche nach geeigneten Plätzen für die Nacht durfte nicht bis zum Dunkelwerden aufgeschoben werden. So einfach mal in einen kleinen Sandweg von der Hauptstraße abzubiegen, war fast unmöglich, da die riesigen privaten Estancias sich bis an die Straße ausdehnen und gut eingezäunt sind. Die Straße ging etliche 100 km nur geradeaus, rechts und links der Straße weideten Rinderherden. Die Landschaft änderte sich erst, als wir bereits einige Zeit in Patagonien waren. Viel aufregender wurde es allerdings nicht, die Weiden wurden nun durch trockene Steppenlandschaft abgelöst. Auf unserem Weg passierten wir einige Fruchtkontroll-Posten; wir wurden gefragt, ob wir Obst oder Fleisch dabei hätten, mussten einen Blick in unseren Kühlschrank gewähren und wurden dann freundlich über die Provinzgrenze gewunken. Sinn dieser Regelung ist der Versuch, die Ausbreitung der schädlichen Fruchtfliege innerhalb des Landes zu verhindern. Wir hatten nie etwas dabei, was zu beanstanden gewesen wäre, was daran lag, dass wir bisher überhaupt noch nicht richtig einkaufen waren. Wir hatten noch kein einziges Mal gekocht, sondern waren immer Essen gegangen, was bei den günstigen Preisen einfach zur Faulheit animiert. Lediglich für das Frühstück hatten wir immer das Wesentliche im Kühlschrank dabei.
Für die nächsten sechs Tage standen wir in einer wunderschönen Bucht, gemeinsam mit einigen anderen deutschen und schweizer Wohnmobilen, denen wir im Laufe unserer Reise wohl immer wieder mal irgendwo begegnen werden. Auch drei Mitreisende vom Schiff haben wir bereits mit ihren Autos wieder getroffen. Die Bucht kam uns vor wie eine Oase der Ruhe, es herrschte eine absolut friedliche Atmosphäre; sogar vom Auto aus konnte man die Wale beobachten, wie sie mit ihren Jungen ganz nahe an den Strand kamen oder wie sie weiter draußen im Wasser ihre Sprünge vollführten. Noch faszinierender, als diese großen Tiere so nah zu sehen, war es aber, sie hören zu können. Neben der Wasserfontäne hörte man auch ihre Rufe, mit denen sie anscheinend miteinander kommunizieren. An zwei Tagen fuhren wir an die Nord- und Südspitze der Insel und bekamen an diesen Tagen das ganze Spektrum der hier vorhandenen Tierwelt zu Gesicht. Vom Geräusch des Autos aufgeschreckt, rannten Guanacos über die Schotterpisten, wir haben Nandus gesehen, faule See-Elefanten und -Löwen, Pinguine und Gürteltiere. Von den Robben und Pinguinen einmal abgesehen, kam es mir vor, als würden wir uns auf einer Safaritour durch Afrika befinden. Das Highlight dieser Zeit stellte für mich ein Tauchgang mit Seelöwen dar, vor dem ich aber auch etwas Respekt hatte, denn so süß und verspielt die Tiere auch waren, bekam ich es nach einiger Zeit doch etwas mit der Angst zu tun, als sich nach und nach immer mehr von ihnen um uns scharten, uns in die Schwimmflossen knappsten und für mich nicht interpretierbare Geräusche von sich gaben. Nach 40 Minuten ging der Luftvorrat langsam zu Ende; die Seelöwen kamen mit hoch an die Wasseroberfläche und schwammen noch eine zeitlang neben dem kleinen Boot her, als würden sie sich von uns verabschieden wollen. Unser nun schon über eine Woche andauernder Aufenthalt auf Valdes und in Puerto Madryn verlängerte sich zum Schluss noch einmal unfreiwillig, nachdem Hilmar am Freitag Nachmittag bemerkte, dass der eine Tank ein Leck hat. Am Samstag Morgen fuhren wir zu einer Werkstatt, in der man uns sagte, wir könnten "a las quinze" (um 15 Uhr) wiederkommen. Leider verstand ich "a las cinco" (um 5 Uhr), so dass wir zwei Stunden zu spät da waren und die Reparatur auf Montag verschoben werden musste. Also verbrachten wir auch den Sonntag noch in Puerto Madryn, was uns nicht schwer fiel, den Strand direkt vor der Nase. Am Montag Morgen fuhren wir also erneut zur Werkstatt und nach nur drei Stunden war der Tank frisch gelötet wieder eingebaut und wir konnten unsere Reise fortsetzen - entlang der Küste, wie zuvor. |
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