14.10.2006
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Die Überfahrt beginnt
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Das Kleingedruckte in den Geschäftsbedingungen wird - wenn überhaupt gelesen - meist nur kurz überflogen. Um dem vorzubeugen, machten große ausführliche Hinweise in unseren Reiseunterlagen deutlich, dass wir keine Kreuzfahrt gebucht hatten. Wir waren gern gesehene Passagiere, aber eben Gäste auf einem Frachtschiff. Der Fahrplan, die Hafenliegezeiten und besonders die Aktivitäten während der Aufenthalte in den Häfen werden ausschließlich bestimmt von den Lade- und Löscharbeiten und von der Effektivität der Organisation in den einzelnen Häfen. Mit Letzterem war es in Le Havre schon mal nicht zum Besten bestellt. Dass wir dies überhaupt erwähnenswert finden, zeigt wie tief wir noch in den Fängen unserer durchgeplanten Tagesabläufe, besonders der letzten Wochen vor der Abreise, verstrickt sind. Es braucht etwas zeitlichen Abstand, um sich von diesen Fesseln zu lösen. Mit jedem Tag an Bord gelingt dies besser. Auf See gibt es für uns nur drei feste Termine am Tag: die Mahlzeiten. Den Frühstückstermin um 7:30 Uhr empfinden wir als unnötige Fessel, von der wir uns ja zu lösen versuchen. Wer von uns zufällig mal so früh wach ist, geht Frühstücken; Sarah ist meistens nicht wach, ich manchmal. Ansonsten genießen wir das Ausschlafen. Der Verzicht aufs Frühstück fällt auch deshalb leicht, weil das Mittagessen schon um 12 Uhr auf uns wartet. Mittag- und Abendessen (um 18 Uhr) sind am ehesten an den Uhrzeiten zu unterscheiden. Ansonsten sind sie gleich lecker und üppig und bestehen aus vier, manchmal sogar aus fünf Gängen. Der zweite und dritte Gang sind - warum auch immer - für sich alleine schon Hauptgerichte mit Salatbeilagen. Mit der Kabine haben wir eine gute Wahl getroffen. Die gebuchte Eignerkabine ist zwar teurer als die Innenkabinen oder die anderen Außenkabinen, dafür haben wir aber einen Wohnraum mit Couch und Schreibtisch und einen davon abgehenden Schlafraum mit normalem Doppelbett und angrenzendem Badezimmer (siehe auch Bilder-Galerie). Für die vier Wochen, die wir auf dem Schiff verbringen, ist das sehr angenehm. Es gibt viele Schubladen und Schränke, die nach und nach mit immer mehr Sachen aus dem Unimog gefüllt werden. Wir sind insgesamt 12 Passagiere (eine Chilenin, zwei Österreicher, vier Schweizer und fünf Deutsche mit zusammen sieben Autos). Unsere Widerstandskraft gegen Seekrankheit ist sehr unterschiedlich ausgeprägt, was sich an zwei stürmischen Tagen und einer dazwischen liegenden Nacht mit Windstärke 10 am Anfang der Reise zeigte. Glücklicherweise haben wir das gut überstanden. Die Zeit zwischen den Mahlzeiten an Bord nutzen wir zum Lesen, zum Vorbereiten der Texte und Bilder fürs Internet, zum Sichten und Sortieren von Papieren, die vor der Abreise in keine wirkliche Ordnung mehr gebracht worden waren, zum Entspannen und Sonnen im Liegestuhl an Deck oder zum Erzählen mit den Mitreisenden und den Mitgliedern der Besatzung, sofern sie gerade etwas Zeit haben. Sarah nutzt das Angebot der mitreisenden Chilenin und hat jeden Nachmittag eine Exclusiv-Privatstunde Spanischunterricht. Ich versuche mich zuweilen an meinem Spanischkurs auf dem Computer. Die Zeit vergeht fast zu schnell. Die Besatzung besteht aus Italienern und Indern. Der Kapitän und die Navigationsoffiziere sind Italiener, alle für die Schiffsmaschine Zuständigen sind Inder. Die Decksbesatzung - zuständig für alles was mit Laden und Löschen zu tun hat - ist ein Gemisch aus beiden Nationalitäten. Sie scheinen den stressigsten Job zu haben, werden aber von den anderen Besatzungsmitgliedern zum Teil unterstützt. Beim Laden und Löschen - was manchmal die Nacht durch geht - gibt es keinerlei Pausen. Sarah schreibt und empfängt eifrig Emails auf dem Schiff, die mit Hilfe eines Navigationsoffiziers drei Mal täglich über eine Satellitenverbindung abgesetzt werden. Da die Italiener es anscheinend nicht so gerne sehen, wenn so viele Emails geschrieben werden, wenden wir uns mittlerweile an die Inder, die das nicht so eng sehen und sich absolut hilfsbereit zeigen. Nach dem Abendessen spielen wir oft noch ein bisschen Tischtennis im "Fitnessraum", in dem außerdem noch ein Fußballtisch, zwei nicht mehr ganz intakte Fahrradtrainer, ein leicht defektes Rudergerät und ein quietschendes Body-Building-Fitnessgerät stehen. Oft sind ein paar Leute der Besatzung dabei, so dass dann Doppel oder "Rundlauf" gespielt wird. Sarahs Interesse an Sprachen findet besonders bei zwei Indern positive Resonanz. Ihr gemeinsames Tischtennisspielen und das spätabendliche Anschauen indischer und amerikanischer Soap-Operas wurde daher erweitert um einen wechselseitigen Deutsch-/Hindi-Kurs. Die Fortschritte sind durchaus hörbar und tragen zur allgemeinen Erheiterung nach den Mahlzeiten bei, wenn ein "Tschüss, bis später" aus indischem Mund von Sarah locker mit "Phir Milte hain" beantwortet wird. |
15.10.2006
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Am Abend erreichen wir das Baskenland
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Am Vormittag ertönten die Alarmsirenen und riefen Besatzung und Passagiere zu einer Rettungsübung zusammen. Mit angelegten Schwimmwesten bestiegen wir ein Rettungsboot und wurden mit der Ausrüstung für den Notfall vertraut gemacht. Kurz vor dem Dunkelwerden legten wir im Hafen von Bilbao an. Ein Landgang noch am Abend lohnte sich nicht. Da während des gesamten nächsten Tages geladen und gelöscht werden sollte, hatten wir den Montag für einen Stadtbesuch zur Verfügung. Wir waren vor 10 Uhr in der Innenstadt, so dass noch gar nicht alle Geschäfte geöffnet hatten. Glücklicherweise hatte ein Internetcafe seinen Betrieb schon aufgenommen und wir konnten ein paar Emails schreiben, einen kurzen ersten Bericht und einige Bilder auf unsere Homepage hochladen. Bilbao ist eine moderne lebendige Stadt mit für uns auffällig vielen Bistro-Cafes. Bereits um 10:00 Uhr morgens genehmigten sich die Herrschaften ein Glas Wein, wir blieben vorerst noch bei Kaffee. Da wir nun wussten, dass es vom Hafeneingang bis zu unserem Anlegekai ein gutes Stück zu laufen war, fragten wir einen LKW-Fahrer unschuldig nach dem Weg. "Oh, das ist aber sehr weit" sagte er, wies uns an einzusteigen und brachte uns zum Schiff. Das Glück war an diesem Tag auf unserer Seite. |
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19.10.2006
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Erster Hafen in Afrika
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Nach zwei stürmischen Tagen auf See erreichen wir den Hafen von Casablanca am Vormittag. Mit uns etwas fadenscheinig erscheinenden Argumenten wird verhindert, dass wir an Land gehen. Angeblich sei das zu gefährlich und der Agent der Rederei hätte 24 Stunden vorher darüber informiert werden müssen. Beim Laden wird unter die wiederauffahrenden Autos und Trailer geleuchtet, um zu verhindern, dass sich jemand an Board schmuggelt. Auch sind alle Auto-Decks verriegelt und an der Rampe stehen zusätzliche Besatzungsmitglieder, die aufpassen, wer ins Schiff geht. Also bleibt uns nur der Blick auf die Hafenszene und das rege Treiben beim Laden und Löschen, was sich auch am nächsten Tag fortsetzt. Wir passieren die kanarischen Inseln am 21. Oktober. Das ist auch für die Mannschaft etwas besonderes, da sie hier normalerweise nachts vorbeikommen, wenn es stockdunkel ist. Jetzt stehen auch sie an der Reling und lassen sich vor der schönen Kulisse fotografieren. Am Abend findet zu Ehren des hinduistischen Diwali-Festes (eine Art Neujahrsfest) ein Barbecue an Deck statt. Ein langer Tisch wurde aufgestellt, es gab ein üppiges Buffet und eine kleine Lichterkette sollte an das Lichtermeer erinnern, welches sich in Indien an diesem Tag in den Straßen und an den Häusern ausbreitet. Aus einer Anlage tönte indische Musik und es wurde ausgelassen getanzt. Das war eine willkommene Abwechslung und wir kamen in Kontakt mit Mitgliedern der Besatzung, die wir sonst eher selten zu Gesicht bekommen, weil sie unter Deck arbeiten und nicht in unserem Essensraum sind. So haben wir auch zwei Rumänen kennen gelernt, die im Rahmen ihrer Offiziersausbildung hier eine Art Praktikum absolvieren. |
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23.10.2006
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Kurzer Landgang
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Mir wurde abgeraten, Wertsachen mit raus zu nehmen und so ließ ich schweren Herzens auch meinen Fotoapparat zurück. Kaum waren wir aus dem Hafengelände raus, versammelten sich sofort fünf Senegalesen um uns und wollten uns Holzfiguren, Uhren ("Rolex, Rolex!") und andere Waren verkaufen. Das Elend in den Straßen hat mich tief getroffen und schockiert. Eine Frau ohne Beine, die auf ihrem Rumpf und ihren Händen lief, streckte uns eine Hand entgegen und rief "Money, Money!". Am Straßenrand lagen Menschen im Dreck, die halbtot wirkten; andere wuschen sich mit dem bisschen Wasser, das aus irgendwelchen Rohren tropfte. Ich empfand das alles so bedrückend und schrecklich, dass es mir die Tränen in die Augen trieb. Diese Erlebnisse haben meine Neugier erst einmal gedämpft und ich glaube nicht, dass ich während der Schiffsüberfahrt noch einmal in Afrika an Land gehen möchte. Das ist natürlich ein bisschen unfair, weil wir nicht gerade ausdauernd waren, sicher noch im Hafengebiet und noch nicht in der Innenstadt waren, aber trotzdem hat mir diese Erfahrung fürs erste stark zugesetzt. Eine positive Episode gibt es aber auch zu berichten: Ein Verkäufer - ein alter Mann in einem violetten Gewand - tauchte plötzlich hinter uns auf, lief hinter uns her, zeigte etwas aus seinem Beutel und rief "antik, antik". Ein älterer Mitpassagier entgegnete daraufhin "No, thank you, I'm antik as well". Der Mann in Lila musste sehr lachen und sagte "moi aussi, moi aussi" und zog von dannen. Dieser kurze Ausflug hat mich um eine Erfahrung reicher gemacht, auch wenn es gilt, diese um weitere Afrika-Erfahrungen zu ergänzen, um nicht nur die negativen Bilder im Kopf zu behalten. Aber es ist sicher auch ein Aspekt, der dazu gehört. Ich war erleichtert, als wir wieder am Schiff waren. In der Zwischenzeit hatten ein paar Männer auch direkt vor dem Schiff ihre Waren ausgebreitet und handelten mit den an Board gebliebenen Passagieren. Einige der italienischen Besatzungsmitglieder hatten Säcke voll mit Schuhen und Kleidungsstücken von zu Hause mitgebracht, die sie jetzt gegen Holzschnitzereien tauschten. Einer unserer Passagiere - ein erfahrener Afrikafahrer mit sichtlichem Spaß am Handeln - schenkte mir ein Armband und eine sehr schöne Figur aus Ebenholz. Noch mal vielen Dank dafür, Alex! |
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24.10.2006
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Vom Mini-Hafen bis nach Brasilien
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Obwohl es hieß, das Schiff brauche nur vier Stunden von Dakar/Senegal nach Banjul/Gambia, kam erst wieder gegen Mittag Land in Sicht. Wir dümpelten noch den ganzen Nachmittag vor dem Hafen herum, bis wir gegen 17 Uhr endlich am Kai anlegen konnten. Ein Grund hierfür war wohl die Ebbe. Der andere, dass es fast übertrieben erscheint, in Banjul von einem Hafen zu reden. Vom Wasser aus sieht Banjul aus wie ein traumhafter Ferienort, lange Strände gehen gleich rechts und links vom Hafen ab, dahinter Palmen, Kinder, die Fußball spielen, Fischerboote, die ins Meer hinaus fahren und eine kleine Fähre, die zu einer gegenüberliegenden, ebenfalls nach Urlaub aussehenden Insel übersetzt. Der Hafen selbst besteht aus zwei Kais, an denen maximal sechs Schiffe anlegen können. Als wir ankamen, waren diese alle belegt und auf Reede warteten noch viele andere Schiffe darauf, anlegen zu können. Warum die Grimaldi Line diesen Hafen überhaupt anläuft, war uns zunächst schleierhaft; die langsame Abfertigung musste doch finanzielle Verluste mit sich bringen. Unser Frachtschiff war viel zu lang, um an diesem Kai in seiner vollen Länge anlegen zu können, so dass der vordere Teil des Schiffes, auf dem die Container geladen sind, ins Meer (welches hier ein Flussdelta ist) hinaus ragte. Es hatten sich viele Menschen am Schiff versammelt; kaum hatten wir angelegt, kamen wieder Verkäufer, um Holzschnitzereinen, Schuhe und Melonen anzubieten. Oder aber auch, um einen Versuch zu starten, doch irgendwie aufs Schiff zu kommen, um als blinde Passagiere einer vermeintlich besseren Zukunft entgegen zu fahren. Als die Rampe endgültig runtergelassen war und damit begonnen wurde, Autos abzuladen, begann das Chaos: Neben uns wurde an diesem Kai ein zweites Schiff abgefertigt. Der Kai selbst bot nicht genügend Platz, um Ladung zwischenzulagern. Alle Ladung und Fahrzeuge mussten über eine kleine Brücke, die den Kai mit dem eigentlichen (auch recht kleinen) Hafengelände verband, transportiert werden. Zeitgleich wurden vom vorderen Teil des unseres Schiffes Container mit dem schiffseigenen Kran gelöscht. Der Kranführer, ein Einheimischer, war Meister seines Fachs. Ihm gelang es durch Schwungholen und geschickte Ausnutzung der Pendelbewegungen der Kranseile, die Container tatsächlich am Ende des Kais und nicht im Wasser abzusetzen. Was im Hellen aus einiger Entfernung noch wie ein himmlischer Badeort wirkte, verlor nun bei schnell einsetzender Dunkelheit seine Romantik. Die kleine Stadt war stockdunkel; kaum eine Straße wurde beleuchtet. Ein tragischer Unfall an Bord überschattete die Löschaktivitäten. Während der Rangierarbeiten war ein Besatzungsmitglied zwischen zwei Lastwagen gekommen und wurde mit einem wenig vertrauenserweckenden Krankenwagen ins Hospital gefahren. Da von uns keiner so recht wusste, was wirklich passiert war, kamen die wildesten Spekulationen auf; einige Crewmitglieder konnten ihre Tränen nicht mehr unterdrücken. Für die nächsten zwei Tage war die Stimmung an Board gedrückt, in der Küche lief keine Musik mehr und beim Essen wurde kaum gesprochen. Als dann irgendwann beim Frühstück wieder Samba-Musik über den Flur schallte, atmeten wir alle erleichtert auf. Die Schreckensvisionen von Querschnittslähmung, zerstörtem Becken, Beine ab, Vergiftung im Krankenhaus bewahrheiteten sich glücklicherweise nicht. Es waren wohl "nur" die Schienbeine gebrochen und der Patient sollte nach einer Erstoperation zurück nach Italien geflogen werden. ..... Am Donnerstag Abend, 26. Oktober, erreichten wir Konakry/Guinea. Dies schien uns ein gut organisierter kleiner Hafen zu sein, denn die Ladung wurde schnell gelöscht, die Autos wurden unmittelbar nachdem sie aus dem Schiff gefahren worden waren sofort weitertransportiert und blockierten nicht wie in Banjul den Platz vor der Laderampe. Auch gab es keine Menschenansammlungen vor der Rampe und niemand versuchte illegal aufs Schiff zu gelangen.
Am gleichen Tag nachmittags stoppte das Schiff plötzlich aus voller Fahrt und dicker, schwarzer Qualm stieg aus den Schornsteinen empor. Nach zwei Stunden ging es mit leicht verminderter Geschwindigkeit weiter. Der Grund für diesen Stopp war ein Problem mit der Maschine. Die Automatik der Maschinenregelung war ausgefallen. Jetzt musste manuell geregelt und überwacht werden. Das bedeutete zusätzliche Schichten rund um die Uhr für die Crew der Maschine. Meine abendlichen Hindikurse und die Videosessions fielen daher leider aus. Unser erstes Ziel jenseits des Atlantiks ist der Hafen von Vitoria/Brasilien etwa 470 km nordöstlich von Rio de Janeiro, den wir am 3. November 2006 erreichen. Der Hafen und einige Viertel der Stadt liegen auf einer Insel, die durch fünf Brücken mit dem Festland verbunden sind. Unter der größten dieser Brücken schlängelt sich das Schiff langsam durch eine Meeresenge bis zum endgültigen Liegeplatz durch. Auf der Steuerbordseite passieren wir - zum Greifen nahe - die Hochhauskulisse der Stadt. Ein Taxi bringt uns rasch in die Nähe der City zu einem riesigen, modernen Einkaufzentrum, das unseren Einkaufspassagen in Hamburg oder Frankfurt locker den Rang ablaufen würde. Sarahs Spanischkenntnisse sind nur bedingt nützlich. Portugiesisch ist eben doch eine andere Sprache.
Die Statue steht auf einer Plattform, von der aus man einen sagenhaften Blick über die Stadt hat. Von hier konnten wir unser Schiff, die "Grande Amburgo", im Hafen liegen sehen. Auch die Copacabana ist von hier oben leicht zu erkennen. Die Wege in Rio sind lang, es dauert, bis man irgendwo angekommen ist. Die einzelnen Stadtteile sind zuweilen durch Buchten oder Berge voneinander abgegrenzt und mit Tunneln verbunden. Aber zum Glück war Sonntag, so dass nur wenig Verkehrsaufkommen war und das Taxi uns ohne Staus zur Copacabana bringen konnte. Am Strand angekommen, wollte der Fahrer natürlich mehr Geld als vereinbart. Nach kurzer Diskussion und - wie wir meinten - angemessener Bezahlung stiegen wir einfach aus. Er machte durchaus keinen unzufriedenen Eindruck und schien dann auch mit dem Geld zufrieden gewesen zu sein. Die berühmt berüchtigte Copacabana ist eigentlich nicht mehr, als ein sehr langer feinsandiger Strand mit riesigen Hochhäusern dahinter. Es wimmelte von Leuten; von den brasilianischen Schönheiten im String-Tanga war allerdings kaum etwas zu sehen, auch das scheint also eher eine Legende oder Wunschvorstellung im Kopf von Touristen zu sein. Vielleicht waren wir aber auch einfach nicht zum rechten Zeitpunkt gekommen. Es gibt auf jeden Fall schönere Strände als diesen hier. Bei der Rückfahrt im Taxi waren wir uns nicht ganz sicher, ob der Fahrer wirklich verstanden hatte, dass wir zum Hafen und nicht zum Flughafen wollten. Mittlerweile war es schon nach halb Vier und um Vier sollten wir wieder am Schiff sein. Ein Foto vom Schiff auf der Digitalcamera klärte die Situation, er schien verstanden zu haben. Als wir den Hafeneingang erreichten, fuhr gerade der Shuttlebus vor. Das war perfektes Timing. Hier warteten schon die anderen Von-Board-Gegangenen. Jeder hatte die Zeit bis zur letzten Minute ausgenutzt; um Punkt vier Uhr erreichten wir wieder das Schiff. Aufgrund der knappen Zeit konnten wir natürlich keinen wirklichen Eindruck von der Stadt bekommen. Für mich war es ein ganz eigenartiges Gefühl, auf einmal an der Jesus-Statue zu stehen, die man sonst nur von Fotos kennt. Das alles war ein bisschen unwirklich. Mal sehen, vielleicht kommen wir ja auf dem Landweg noch einmal hierher zurück. Bereits am nächsten Tag (6. November) erreichen wir den größten brasilianischen Hafen: Santos (ca. 60 km von Sao Paulo, Brasiliens Wirtschaftszentrum und größte Stadt). Wir hatten die Eindrücke des Vortages noch gar nicht ganz verarbeitet und gehen daher nicht an Land. |
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10.11.2006
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Auf einem Umweg über Zarate nach Buenos Aires
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Bis das Schiff endgültig festgemacht und die Immigrations-Beamten den Papierkram erledigt hatten, war es dann doch schon dunkel geworden und wir sind nicht mehr von Bord gegangen. In Zarate wurden viele Mähdrescher und ca. 700 neue Autos gelöscht und noch mehr Neufahrzeuge für Brasilien geladen. Am Samstag (11. November) ging es dann gegen Mittag gemächlich wieder flussabwärts Richtung Buenos Aires. Wegen eines Hafenlotsen- oder -Schlepper-Streiks war aber gar nicht klar, ob wir überhaupt heute noch in Buenos Aires einlaufen würden. Das Schiff dümpelte wieder auf Reede vor La Plata und wir gingen wie üblich um 18:00 Uhr zum Essen. Danach allerdings ging alles sehr schnell. Die "Grande Amburgo" machte zügig in einem engen Hafenbecken ganz nahe am Stadtzentrum vom Buenos Aires fest. Ohne dass wir es bemerkt hatten war auch bereits ein Zollbeamter an Bord gekommen, dem offensichtlich dieser Dienst am frühen Samstagabend gar nicht in seine private Zeitplanung passte. Er hielt uns einen Zettel unter die Nase, fragte ob unsere Autonummer darauf korrekt notiert sei, forderte uns auf zu unterschreiben und in fünf Minuten mit dem Auto draussen am Kai auf ihn zu warten. Zur Erklärung fügte er hinzu "we will be quick today". Mit so einem rasanten Ende unserer Seereise hatte niemand von uns gerechnet, wir hatten nicht einmal Zeit, uns von der Besatzung richtig zu verabschieden. Schnell kramten wir die letzten Utensilien aus unserer Kabine zusammen, hasteten zum Auto hinunter und fuhren über die große Schiffsrampe auf den Kai. Wir hatten als letzte das Schiff verlassen, konnten uns gerade noch von den anderen Mitreisenden verabschieden, als der Zollbeamte uns die Hand schüttelte, in Argentinien willkommen hieß und gleichzeitig mit einem Blick aus der Entfernung auf unsere halbgeöffnete Autotür im Bruchteil einer Sekunde pflichtgemäß feststellte, dass die Zollformalitäten erledigt seien. Wenige hundert Meter weiter verließen wir das Gate des Hafens, ohne dass sich überhaupt irgendjemand vielleicht noch für unsere Pässe interessiert hätte. Uns kam das ganze sehr unwirklich vor, so dass wir auf dem Platz vor dem Hafengate erst mal anhielten, um uns zu vergewissern, ob wir überhaupt Einreisestempel in den Pässen hatten. Doch, die waren drin. Wie von Zauberhand bereits mit Datum vom Vortag durch Kapitän und Behörden in Zarate erledigt, ohne dass wir davon überhaupt etwas wussten. Unser Blick in die Papiere machte allerdings auch einen Polizisten vor dem Hafengate neugierig, auch er wollte nun mal einen Blick in die Papiere werfen. Eigentlich nur in unsere Versicherungspapiere, die aber hatten wir noch gar nicht. Die Papiere lagen zwar für uns zur Abholung beim Versicherungsmakler bereit, da konnten wir aber frühestens am Montag hin. Ein wenig Small Talk und die internationale Zulassung reichten aber auch, um die Neugier zu befriedigen. Wir sind wirklich angekommen - unsere Südamerikatour kann beginnen! So ganz realisiert haben wir es noch nicht. |
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