08.10.2006
Deutschland

Es geht los - Abreisetag
Pinneberg

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ChaosWie so häufig im Leben, sind Wunsch und Wirklichkeit nicht immer leicht in Übereinstimmung zu bringen.

Es war mein Wunsch, die Vorbereitungen für die Reise etwa eine Woche vor dem Abreisetag abgeschlossen zu haben, um in Ruhe noch mal alle Notizen durchgehen, und eventuell Vergessenes doch noch erledigen zu können.

Die Wirklichkeit sah ganz anders aus: 10 Tage vor der Abreise war noch gar nichts gepackt, und Wohnzimmer, Diele und Schlafzimmer waren mit Ersatzteilen übersäht. Alles was sich jahrelang in zunehmend wachsender Unordnung angesammelt hatte, wartete darauf, in einer wohlgeordneten Systematik in wiederauffindbarer Weise im Unimog verstaut zu werden. Auch der Vorsatz, nur das Nötigste mitzunehmen, wurde nicht wirklich realisiert. Der rollenden Werkstatt waren wir wieder einmal sehr nahe.

Um Sarah rechtzeitig aus Mainz abholen zu können, musste ich spätestens am Sonntag 08. Oktober von zu Hause losfahren. In den letzten Tagen erfasste mich eine Panik, dass ich es mit der Packerei nicht mehr vernünftig schaffen würde. Irgendwie klappte es dann aber doch.

Die Internetseite ist zwar nicht mehr ganz fertig geworden - das Kapitel "Planung" fehlt noch - aber das kann ja dann noch auf der Überfahrt nach Argentinien nachgeholt werden. Unser Schiff, die "Grande Amburgo" der Grimaldi Line soll am 11. oder 12. Oktober von Le Havre ablegen und - wenn alles planmäßig verläuft - nach 28 Tagen in Buenos Aires eintreffen.

.....

Während der letzten Tage vor Hilmars Abfahrt aus Pinneberg wurden die Abstände zwischen unseren Telefonaten immer kürzer, wir erinnerten uns gegenseitig an verschiedene Dinge, die noch erledigt und eingekauft werden mussten.

Nach meiner letzten Prüfung begann ich langsam mit dem Packen meiner Sachen; mein WG-Zimmer musste geräumt werden, Kisten gepackt, Möbel abgebaut und alles zu Oma auf den Speicher gebracht werden.

Nun begann auch bei mir langsam die Nervosität, nachdem ich mich zuvor noch gar nicht so intensiv mit der Reise auseinandersetzen konnte, da ich noch bis 3 Wochen vor Abfahrt meine Prüfungen hinter mich bringen musste. Als sich mein Zimmer langsam leerte und ich mich von Freunden verabschiedete, wurde mir langsam bewusst, dass es nun wirklich bald losgeht.

Packen in MainzDen letzten Abend war ich mit Stephan bei Oma, wo wir bis in die Nacht auf Hilmars Ankunft warteten.

Am Montag packten wir dann mein Gepäck ins Auto und meine Befürchtungen, es sei nicht genug Platz für all meine Sachen, erwies sich als unbegründet. Was vorher so viel ausgesehen hatte, verlor sich in zahlreichen Schubladen und Schränken; es blieben sogar Kisten leer; so viel war es anscheinend gar nicht.

 
   
   

09.10.2006
Deutschland

Richtung Le Havre zum Schiff
Mainz

 

Autobahn Richtung ParisDie Verabschiedung von Oma fiel mir schwer und mich von Stephan für so lange Zeit zu trennen, stimmte mich traurig.

Bei gutem Wetter starteten wir am Nachmittag unsere Fahrt nach Le Havre, zunächst Richtung Saarbrücken und weiter nach Frankreich. Kurz hinter einer Zahlstation war eine mobile Zollkontrolle eingerichtet. Wir wurden von einem Zollbeamten aufgefordert, rechts ranzufahren. Nachdem er sich unsere Papiere hatte zeigen lassen, wurde schnell deutlich, dass er und seine Kollegen viel mehr an dem Unimog interessiert waren. Sie informierten sich über die Reifen, den Ausbau und fragten, ob sie einmal hinein gehen dürften. Nach diesem kurzen Stopp ging es weiter, bis wir am Abend bei einsetzendem Regen auf einem Rastplatz Station für die Nacht machten.

Am Dienstag Morgen strahlte die Sonne wieder. Gegen Mittag verließen wir die Autobahn, suchten uns in einem kleinen Ort - Neufchâtel-En-Bray - ein Lokal zum Essen und fuhren die letzten 160 Kilometer auf der Nationalstraße weiter Richtung Le Havre.

Dank Navigationsgerät fanden wir auf Anhieb die angegebene Strasse der Agentur für unser Schiff der Grimaldi Lines. Das eigentliche Büro zu finden, erwies sich dann aber doch als etwas umständlicher. Die angegebene Hausnummer war von der Straße aus kaum auszumachen und stellte sich auf Nachfragen als Einfahrt zu einem Industriegelände heraus. In großen, flachen Lagerhausschuppen waren auch eine Reihe von Büros untergebracht. Die übliche Lebensweisheit: "Wer lesen kann, ist klar im Vorteil" nützte uns nichts, es gab nichts zu lesen. Also rein in die Büros und fragen, wo denn "unser" Büro sein könne.

Sie hatten noch geöffnet, so dass wir den Papierkram sofort erledigen konnten. Außer uns würden in Le Havre noch ein Deutscher mit chilenischer Ehefrau zusteigen. Das Schiff sollte erst am Donnerstag einlaufen und wenn wir uns gegen 10 Uhr in der Agentur wieder einfänden, würde uns jemand zum Schiffskai begleiten.
Das Schiff - die "Grande Amburgo" - war in Hamburg gestartet, dann zuerst nach Tilbury/England und anschließend nach Antwerpen/Belgien gefahren. Diese zusätzliche Woche Schiffsreise wollten wir uns sparen, zumal wir ja eigentlich von Mainz aus unsere Reise begannen.

Wir hatten nun also noch zwei Nächte bis zum Beginn unserer Seereise und suchten uns einen Stellplatz am Rand zur Innenstadt an einem Kanal. Etwas laut, aber nach Aussage der Agentur recht sicher.

Le Havre ist keine aufregende Stadt. Ein kleiner Innenstadtkern mit Geschäften, umgeben von heruntergekommenen Seitenstraßen, an die sich neuere Wohnviertel in einem eigenartigen Stil anschließen. Der Vergleich mit den Bauten im stalinistischen Stil in Berlin drängte sich geradezu auf.

Als wir am Donnerstag bei der Agentur auftauchten, hieß es, das Schiff käme erst am Nachmittag gegen 15 Uhr, dann hieß es 17 Uhr. Das Wetter war gut und unsere Mitreisenden waren natürlich auch zu früh erschienen. Sie machten die Überfahrt zum dritten Mal und so konnten wir von ihren Erlebnissen und Erfahrungsberichten profitieren.

Gegen 16:30 Uhr brachte uns ein Mitarbeiter der Agentur auf verschlungenen Hafenstraßen zum Anlegekai der "Grande Amburgo". Wir hatten kaum geparkt, da ging die große Laderampe auch schon runter. Aber leider nicht - wie wir dachten - für uns, sondern zunächst mal für viele, viele neue Peugeot PKWs, die in einem kamikaze-ähnlichen Stil auf das Schiff gefahren wurden. Von den acht Passagieren, die schon von Hamburg aus an Bord waren, kamen einige zur Begrüßung zu uns nach draußen auf den Kai. Wir ließen unser Auto am Kai stehen und konnten schon am ersten Abendessen an Bord teilnehmen und anschließend unsere Kabine beziehen. Irgendwann vor Mitternacht waren die Ladearbeiten soweit abgeschlossen, dass auch wir unser Auto reinfahren konnten.

Wie wir dann hörten, sollte das Schiff noch in der Nacht an einen anderen Kai verholt werden, um die Containerverladung vorzunehmen. Die französischen Hafenarbeiter waren aber offensichtlich unserer italienischen Reederei nicht ganz wohlgesonnen, so dass weder in der Nacht, noch am folgenden Freitag tagsüber irgendwelche Ladeaktivitäten sichtbar waren. Am späten Freitag Abend begannen sich dann ein paar müde Kräne zu drehen, so dass am Samstag Morgen endlich abgelegt werden konnte, Richtung Bilbao/Spanien.